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Die schönsten Bilderbücher im September

Imaginäre Freunde sind etwas Wunderbares. Deshalb versinken nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene in Geschichten: ob in Christopher Nolans „Odyssee“-Verfilmung, in Crime-Podcasts und Farbschnitt-Schmonzetten (und immer weniger in Goethes „Faust“-Epos, schon klar). Die Bilderbücher dieses Spätsommers bieten uns als imaginäre Freunde an: einen knuffigen Roboter, einen Riesenbär, eine autofahrende Tierclique und ein wolkenverliebtes Eichhörnchen, das ein wenig mit Goethe gemeinsam hat.

Osteuropa hat ein inniges Verhältnis zu Robotern. Das Wort selbst – abgeleitet vom tschechischen „robota“ (Zwangsarbeit) – wurde 1920 von Karel Čapek geprägt. Ab Mitte der 1920er Jahre begründete Alexander Beljajew die sowjetische Phantastik mit Robotergeschichten wie „Der Kopf des Professors Dowell“ (1925) oder „Der Untergang der Sensation“ (1929). Unsterblich sind die dreizehn „Robotermärchen“ (1964) von Stanisław Lem, dem großen polnischen Science-Fiction-Schriftsteller. Aus dessen Heimat kommt nun diese niedliche Kleinkind-Roboterfabel, zur rechten Zeit: Die Welt debattiert über mannigfaltige Gefahren durch Automatisierung und Künstlicher Intelligenz (zu empfehlen: die F.A.Z.-Podcastfolge 6 über „Die großen Fragen der Menschheit“ von Simon Strauß zu „Löscht die KI uns aus?“).

Przemysław Wechterowicz‘ kleiner Roboter ist hingegen eher artverwandt mit WALL:E oder R2-D2. Das winzige Maschinchen wird als trauriges Kind dargestellt: „Ich hab meine Lieblingsschraube verloren. Ich vermisse sie so.“ Bär hilft suchen, Hase bemüht sich redlich, aber „konnte den kleinen Roboter nicht trösten. Roboter verstehen keine Witze, dachte er.“ Das Krokodil nimmt den Roboter nicht einmal auf den Arm. Selbst die weise Eule weiß keinen Rat. „Niemand konnte ihm helfen, und niemand konnte ihn trösten. Nur der Biber.“ Wie frisch der Dentagard-Werbung entsprungen, schnitzt nämlich eben dieser Biber kurzerhand die passende Schraube: und wie ein guter Arzt macht er der kleinen Roboter nicht nur heile, sondern heitert ihn auf, nimmt ihn in den Arm, wird zum Gefährten seiner Genesung. (Spoiler: Roboter lieben Witze.) Emilia Dziubak (Illustration), Przemysław Wechterowicz (Text): „Was fehlt dir, kleiner Roboter?“, aus dem Polnischen von Thomas Weiler , Oetinger, 40 Seiten, 15 Euro, ab 3 Jahre

Der Hase Harvey, Drop Dead Fred oder Tyler Durden aus „Fight Club“ sind die bekanntesten imaginären Freunde unsere Zeit. Man kann sie neben christliche (der Heilige Geist), keltische (Púca) oder auch jüdische (Elias) Begleiter ähnlicher Art stellen. Sie alle zeigen, dass man zusammen weniger allein ist – weshalb auch Kinder gern Figuren neben sich stellen, denen sie Geheimnisse anvertrauen, mit denen sie reden können, die sie spiegeln. Deshalb gibt es Kuschel- und Stofftiere, die Steiff-Affen und Käthe Kruse-Puppen, die vielen brummenden Teddys. Sie alle sind Artverwandte des genügsamen Bärs aus diesem Bilderbuch des niederländischen Illustrators Jan Jutte. Mit klarem Strich, offensichtlich an Bauhaus und De Stijl angelehnt, erleben ein Junge mit Baskenmütze und Begleiter „Bär“ einen Tag vom Aufwachsen bis zum Schlafengehen. Der Originaltitel „Ik ook“ fasst in zwei Wörtern das durchgehende Prinzip dieser Story zusammen: „Bär muss. Ich auch. Bär riecht. Ich auch. Bär trinkt. Ich auch.“ Sanfter Humor entsteht durch die elterlichen Charakterzüge des Zottels, der beim Aufräumen die Augen verdreht, sich auf der Wippe deutlich deplatziert fühlt, mal seinem Bären-Alltag nachgeht (Bär klettert, Bär guckt), dessen Tun aber vom Jungen adaptiert wird, so wie Kinder ihre Eltern nachahmen: Bär auf Leiter, Junge auf seinem Stühlchen. Tolles Buch! Jan Jutte: „Bär und ich“, aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf, Gerstenberg, 56 Seiten, 18 Euro, ab 3 Jahre

Nächstes Jahr illustriert Genz Z-Künstlerin Marlene Droop für Kunstanstifter, quasi als Auszeichnung Konsequenz ihres hohen Anspruchs. Den beweist die 1998 geborene Illustratorin aktuell für die ebenso feine NordSüd-Konkurrenz, die sich Droops skizzenhaft naiv bebilderte „Nächste Woche, gleiche Zeit?“-Geschichte gesichert hat. „Normalerweise fährt Giraffe Cabriolet. Aber heute Nacht nehmen die Freunde den Bulli von Schildkröte.“ Komplettiert ist die Bande mit Krokodil und Schaf, und gemeinsam hochgestimmt cruist die Clique über die Stadtautobahn, zwischen Bären und Hirschen in ihren PKW: „Hinter den Hügeln wollen die Freunde die Sterne sehen. Denn in der Stadt ist es nachts viel zu hell dafür.“ Perspektivwechsel dynamisieren diese Tour de force, Innen- und Außensichten, Fokussierungen und Querschnitte. Hinter dem vermeintlichen Kinderzeichenstil steckt eine brillante Komposition. „‘Nächste Woche, gleiche Zeit?‘ – ‚Dann aber etwas früher!‘, lacht Krokodil. Schaf nickt. Schildkröte hat den Mund voll.“ Eines der besten Bilderbücher 2026. Marlene Droop: „Nächste Woche, gleiche Zeit?“, NordSüd, 40 Seiten, 18 Euro, ab 4 Jahre

Mit Kulleraugen erweichen Kinder unser Herz – doch auch das ihrige wird flaumig bei diesem zu 1/3 aus Auge bestehendem Eichhörnchen des französischen Anime-Regisseurs und Illustrators Rémi Durin. „Unsere Geschichte beginnt in diesem tiefen schönen Wald. Siehst du den kleinen Fellball dort, der zwischen den Zweigen hindurchhuscht? Ja, der kleine rotbraune Fleck da hinter dem Baum. Darf ich vorstellen? Das ist Alfonso.“ Wie Dichterfürst Goethe liebt auch Alfonso die Wolken – und versucht ihnen durch emsige Kletterei immer näher zu kommen: „Für ihn ist ein Himmel voller Wolken wie ein Feuerwerk, ein herrliches Schauspiel. Etwas, das man nicht erklären kann. Und was Alfonso nicht erklären kann, das bewundert er eben.“ Sie sind rätselhaft, lassen sich nicht einmal in ein Apfelmusglas einfangen. Durins Bilderbuch kommt mit William-Turner-Vibes und ausreichend Phantasien, die zeigen, weshalb Heinrich Hoffmann mit „Hans Guck in die Luft“ möglicherweise falschgelegen hat. Rémi Durin: „Alfonso und die Wolken“, aus dem Französischen von Anja Kootz, Aladin, 60 Seiten, 18 Euro, ab 5 Jahre