Als Entertainer, Drehbuchautor und Schauspieler ist Heinz Strunk seit Jahrzehnten eine Bank: ob in „Fraktus“ oder „Last Exit Schinkenstraße“, als Mitglied von „Studio Braun“ oder auch während extrem unterhaltsamer Talkshowgast. Heinz Strunk ist ein Multitalent. Nur eine Kunst beherrscht er eher leidlich: das literarische Schreiben. Nun ist er mal wieder auf der SPIEGEL-Bestsellerliste mit: „Memories of Heidelberg“. Ein Verriss.
Nun denn: statt Tristan und Isolde ein My profaner Bertram und Isolde, und weil für Strunk Wagner, Gottfried und Nibelungenlied vermutlich zusammengehören, wird die Gattin als Walküre verhohnepiepelt im einzig guten (Bodyshaming)-Gag dieser ansonsten schwerfälligen Reisenovelle: „Als er sich noch traute und es zwischen ihnen unbefangen zuging, hatte er ihr manchmal auf den Hintern gehauen. Einfach so. Ihr Hinterteil war so elastisch, dass es gewissermaßen zurückhaute.“
Dieser Mann hat derart resigniert, dass er bei Tempo 130 auf der Autobahn immer länger die Augen schließt. Todessehnsucht, aber eine andere als bei Thomas Manns stilprägenden Venedig-Novelle: „Wenn er demnächst so dick ist, dass er sein Ding nicht mehr sehen kann, wird er vergessen haben, dass er eins hat. Ein gemeiner Fettarsch, der zwei Sitze im ICE benötigt. Gefräßig wie ein Kannibale, alt wie ein Dino, fett wie fünf Keiler und taub wie ein Hinkelstein.“
Aufquellende Panik
Das zölibatär lebende Ehepaar hat sich für eine Woche im Neckar-Hotel Kurpfalz eingebucht – und findet dort den Tod ihrer Beziehung. In Screwball-Manier gibt es allerlei „Memories of Heidelberg“ (nach einem Sechziger-Jahre-Schlager von Georg Buschor), in der Figuren nicht sprechen, sondern „flöten“, Mandelsnack-Ingredienzen referiert werden, um Strecke zu machen, ein Essen lapidar mit „Mampf, kau, spachtel“ kommentiert wird – und (dann doch eine schöne Idee) das gesamte Setting „versottet“ bevor „die dumpfe Niedergeschlagenheit“ zur Panikstimmung „aufquillt“.
Es bleibt ein Rätsel, warum Komiker Strunk auf der Leinwand oder im TV brilliert, wie in der Mockumentary „Fraktus – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte“ oder zuletzt in der Ballermann-Serie „Last Exit Schinkenstraße“, warum aber eben dieser irrlichternde Witz in seinen Texten so verlorengeht, dass lediglich Hochfeuilleton und gealterte Popprofessoren darauf abfahren. Helge Schneider mag ein Vorbild von Heinz Strunk sein – doch an dessen Pulp-Pastiches wie „Satan Loco“ kommt der fragwürdige DBP-Shortlist Aspirant nicht heran. Eine Novelle, die sich zur Literatur verhält wie Heinz Strunks Fleisch zum Gemüse.
Heinz Strunk: „Memories of Heidelberg“, Rowohlt, 176 Seiten, 23 Euro




