Rezension: Trickbetrüger-Manieren

Jakob Arjounis Kayankaya-Krimis („Happy Brithday, Türke“) haben die Literaturszene in den 80ern aufgemischt. Damals war der Frankfurter 22. 1992 wurde er mit dem Deutschen Krimi-Preis ausgezeichnet. 2004 schrieb Jakob Arjouni (eigentlich Jakob Bothe) einen dystopischen SciFi-Roman, der im Paris des Jahres 2064 spielt („Chez Max“). In dieser Woche folgt, neues Genre, eine Ganovengeschichte im britischen „Die üblichen Verdächtigen“-Stil“. Dort fliegt einer gleich dreimal auf die Klappe. „Der heilige Eddy“ ist ein stilbewusster Kleinkrimineller mit schicken Klamotten, Trickbetrügermanieren und Künstlerseele. In Berlin spielt er mit Kumpel Arkadi in der Zweimanncombo „Lover‘s Rock“, inspiriert vom gleichnamigen „The Clash“-Song. Seine Songs tragen Titel der Art „Das Schwein hat mich nicht angefasst“ und „Onkel Wodka“.

Eddy hält sich die übrige Zeit mit kleinen Deals über Wasser, mimt am Schalter den barschen Blinden, gibt gegenüber Computerfuzzis aus Bochum den Mann von Welt, um später Mantel und Brieftasche abzuzocken. Anfangs fällt Eddy unglücklich die Bahnhofsrolltreppe hinab, auf besagten Computerfuzzi aus Bochum. Wenig später fällt der allseits unbeliebte Großindustrielle und Imbissbuden-Millionär Horst König (Slogan: „You might think it‘s German, but its only sausage“) vor Eddys Haustür, stirbt und bringt damit Eddy in Schwierigkeiten.

Der schultert die Leiche auf unkonventionelle Art und Weise (Angelina Jolie wird hier einen kleinen Gastauftritt haben) und verbrennt den Alten im Wald. Dort wird er gefunden. Die Medien stürzen sich auf die Geschichte. Eddy verknallt sich in Romy, Königs Jamie T.-hörende Tochter von König. Ein alter Bandkumpel versucht, ihn zu erpressen. Die Sache steigt Eddy über den Kopf und er muss sich entscheiden: Lüge oder Liebe? Erstens ist dieses Buch gut, weil es an keiner Stelle langweilt und die tuntigsten Leibwächter Berlins auftreibt. Zweitens, weil Jakob Arjouni seine Figuren anhand bekannter Popsongs charakterisiert und im Gegensatz zu vielen Kollegen damit nicht scheitert. Onkel Wodka, das Schwein hat mich nicht angefasst!

Jakob Arjouni: „Der heilige Eddy“ Diogenes, 250 Seiten, 18,90 Euro

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