Lassiter und die Zarentochter

Am heutigen „Tag der deutschen Einheit“ liest Anna Basener aus Köln einen gar nicht auf Vereinigung getrimmten Sexwestern (ab 20 Uhr, Zum Köhlerliesel) aus dem ich hier mit freundlicher Genehmigung von Autor und Verlageinen Auszug veröffentliche (Band BL 2091 „Lassiter und die Zarentochter“). Bei der Lesung werden wir gemeinsam über das Schreiben von Heftromanen sprechen, wieviel Zeichen am Tag getippt werden können und was mit all dem mal wieder unser aller „Sender der Sehnsucht“ 1LIVE zu tun hat.

Ellie ließ den Blick über die Kundschaft streifen. Der Große mit den sandfarbenen Haaren könnte ihr gefallen. Alt war er noch nicht, aber seine wettergegerbte Haut ließ auf lange Ritte schließen, wohlmöglich durchs ganze Land. Nein, danke. Ellies graugrüne Augen wanderten weiter. An der Bar stand noch ein anderer Mann, etwas schmächtiger, aber sein schwarzer Gehrock war vom Feinsten. Ganz Gentleman verbeugte er sich sogar vor den Huren. Schon besser. Ellie ließ den Träger ihres Mieders über die Schulter gleiten und strich sich eine rote Locke aus dem Gesicht. Dann wandte sie sich dem Freier zu. Ihr schwarzer Rock raschelte bei jedem Schritt. Niemand würde das Messer in ihrem Strumpfband erahnen…

Die blonde Schönheit räkelte sich auf dem Klavier und sang mit einer rauchigen Stimme von großer Liebe und süßen kleinen Abenteuern. Das Licht war gedämpft, Nebelschwaden und Zigarrenduft hingen in der Luft, und doch strahlte die Blonde wie im hellsten Bühnenlicht.  Lassiter konnte die Augen nicht von ihr lassen. Ein mächtiger Vorbau quoll aus ihrem Ledermieder, ihre Taille war schmal und die Hüften waren sanft gerundet.

882270_659245047432423_2071114494_oLassiter stürzte den zweiten Whiskey hinunter. Es war ein langer Ritt nach Saint Louis gewesen und eine Nacht im The Sweets sollte ihn dafür entschädigen. Sein Verbindungsmann von der Brigade Sieben hatte Lassiter das Haus empfohlen. Es sei das Beste in der ganzen Stadt, hatte er gesagt, und dass Lassiter sich erst morgen um den neuen Auftrag kümmern musste. Er bestellte einen weiteren Whisky, zwinkerte der süßen Brünetten hinter der Bar zu und wandte sich wieder um. Die Blonde war vom Klavier gerutscht und stemmte nun die Hände in die Hüften. Mit einer Kopfbewegung warf sie ihre langen Locken zurück und ließ das Lied leise ausklingen.

Frenetischer Jubel brach unter den Bordellgästen aus, aber auch die Huren klatschten begeistert. Die Blonde verbeugte sich und schickte ein paar Kusshände in die Menge. Ihre Lippen waren voll und sinnlich – ein einziges Versprechen. Lassiter lachte in sich hinein, als er die geifernden Blicke einiger Freier bemerkte. Die Huren an ihren Tischen und auf ihren Schößen hatten sichtbar Mühe, die Aufmerksamkeit dieser Männer zurückzugewinnen. Lassiter griff nach seinem Glas und nahm einen Schluck.

Als er sich wieder umwandte, stand sie vor ihm. “Hallo, Großer”, hauchte sie mit dieser einmalig tiefen Stimme, “wie hat dir mein Lied gefallen?” Lassiter lächelte. “Sehr gut.” Mit einer lasziven Bewegung setzte sie sich neben ihn auf einen Barhocker. Ihr roter Samtrock war geschlitzt und gab den Blick auf ein nacktes Bein frei. “Nun”, sie schenkte ihm einen atemberaubenden Augenaufschlag, “wenn du mir einen Drink bestellst, singen wir vielleicht später zusammen.”

Die Lesung im Wuppertaler Western-Saloon Köhlerliesel beginnt um 20 Uhr. Der Eintritt kostet 5 Euro – es werden Lassiter-Hefte verkauft. Es gibt Tischreservierungen. Schusswaffen sind an der Kasse abzugeben. Es wird heiss.

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