Linkradar: Lauter Verrisse

Ilija Trojanow, Buchhändlerinnen, Blogs und Cat-Content, Ocelot und Friedrich Nicolai: Der Linkradar ist mehr als ein Blogroll, sondern auch Rechercheinstrument, das nach Kategorien geordnet Feuilletons, Freitextarchive, Wissenschaftssammlungen, Social-Reading-Plattformen, Literaturblogs, Online-Lexika, Netzliteraturprojekte, Faksimile-Archive und dergleichen mehr vorstellt. 

FotoKommende Woche beginnt die Frankfurter Buchmesse – ich war bereits jetzt dort, um auf dem mediacampus gemeinsam mit dem dortigen Literaturdozenten Osama Ishneiwer eine Abendveranstaltung über „Literaturkritik und LesenMitLinks.de“ gestaltet (siehe Bild und neue Bücherecken im LesenMitLink-Tumblr). Danach gab es Bier (Becks) und Zigaretten und lange Gespräche in der Runde über Buchhandel in Zeiten großer Ketten und Plattform-Nischen (der hier seinen Vortrag zum Einjährigen von Ocelot veröffentlicht hat) und dass es eine Zeit gegeben hat, in denen Buchhandlungen nicht thematisch sortiert und mit Schildern zugepflastert war.

MRRDiese Schilder dienen übrigens nur dazu, dem Kunden das Gespräch mit der Personal zu ersparen. Muss, wer überleben will, vielleicht zurück in die Zeit von 1755? Auf der Zugfahrt las ich Marcel Reich-Ranickis kleine Schrift „Über Literaturkritik“ (Coverausschnitt rechts) und darin mehrere Seiten über den „Buchhändler und Verleger, Kritiker und Redakteur, Romancier und Reiseschriftsteller“ Christoph Friedrich Nicolai und seine „Briefe über den itzigen Zustand der schönen Wissenschaften in Deutschland“ aus dem Jahr 1755, wo „der damals übrigens erst zweiundzwanzigjährige Autor leidenschaftlich und fast schon beschwören die Sache der Kritik, zumal das Recht und die Pflicht das Kritikers, negative Urteile zu fällen.“

IMG_5843Wir hatten während der 90-minütigen Programms keine Zeit, um auf Buchhändlerblogs einzugehen, die es den Verkaufsagenten ermöglicht, Nicolai quasi nacheifernd, verlegerisch, journalistisch, literarisch tätig zu werden. Auf Facebook bekam ich etliche Hinweise zu guten Blogs, unter anderem von der Comicbuchhandlung „Grober Unfug„, das wunderbare Sammelsurium von „Frau Redlich“ (rechts ein Cat-Content-Bild aus dem Blog), die direkt gegenüber von mir wohnt), dann das gern aus dem Nähkästchen plaudernde „Papiergeflüster“ und, allein schon wegen des Claims klickbar: „eluise – do bookdealers dream of electric books„.

1238731_10153233781815371_1177103788_aDiese Woche hat „CulturBooks – elektrische Bücher“ sein erstes Programm herausgebracht: 20 literarische Titel etablierter Autorinnen und Autoren wie Stefan Beuse aus Hamburg und Michael Zeller aus Wuppertal. „Texte jenseits des Mainstream, ungewöhnliche Formate, genresprengende Ideen“ – dafür will CulturBooks stehen, in Belletristik wie Sachbuch (und in unterschiedlichen Sprachen). Die Bandbreite reicht dabei von der CulturBooks-Single, über die Maxi, das Album bis hin zum Longplayer mit über 500 Seiten. Die sehr umfangreich startetende Reihe wird kuratiert und lektoriert von Zoë Beck (Bild), Jan Karsten, Kirsten Reimers, Thomas Wörtche.

thumb_04In eigener Sache: Auf 1LIVE.de gibt es einen neuen Text über Sarah Strickers „Fünf Kopeken“. Am Montag sprachen Ingo Schmoll und ich in 1LIVE Plan B über den „ZONIC-Almanach“ und Thomas Meinekes „Analog“ (1LIVE Plan B-Mitschnitt). Ich kämpfe weiterhin mit mir. wieviel Buchmesse ich mir 2013 geben soll und suche zwischendurch im Netz nach einer Unterschriftenliste für Ilija Trojanow (Bild), der in dieser Woche nicht in die USA reisen durfte, weil sein kritisches, gegen den Überwachungsstaat gerichtetes Engagement als gefährlich eingestuft wird. Das ist: ungeheuerlich. Der Schriftstellerverband „P.E.N.“ protestiert.

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