Alle über den Haufen schießen

ASL-AK sind kindisch geblieben – ihr Programm ist dagegen erwachsen geworden. Zum exakt zweijährigen Jubiläum boten die „drei heiteren Huschen aus Heckinghausen“ Samstagabend ein witzig wie aberwitziges Comedy-Set im 45rpm. 

Eine himmelblau-braune Rautentapete, transluzide Lichtsäulen, ausgelegte Lammfelle schafften auf der Bühne Lounge-Atmosphäre. Vom Band eröffnete Hans Clarin als „Hubert mit der grünen Nase und seinem Vogelstimmenrätsel“, einer alten Vinyl-Schallplatte, die Tassilo Dicke vom Club spendiert hatte.

Mit einer gewohnt frivolen Vögel-beim-vögeln-Nummer eröffneten ASL-AK wenig später ihre neue Reihe: „ASL-AK Experimente“. Endlich haben Dr. Thomas, der liebe Jott und Käpt`n Supaknut der eigenen, anarchistischen Kraft vollends vertraut. Wenn der liebe Jott zunächst semantischen Lautmüll ins Mikrophon röhrt, dann von einem unvermittelten Lachanfall geschüttelt, weggetragen und hinter der Bühne bestialisch gemeuchelt wird, ist alles mit einem Nichts gesagt.

Samuel Huntingtons „Wir lachen uns zu Tode“ steht hier am Anfang und wird erweitert, denn: „Wir brauchen eine amorphe Weltsprache!“ Diese Forderung wird später mit immer ausufernden Semantikspielen ignoriert. „Ich komme die Pflegestufen schon so schlecht hoch“, jammert dann die alte Dame beim Café-Kaffee und der griechische Imbissbudenmann antwortet auf die Frage, ob er Gyros hat: „Das muss erst mal Uptown Girl“, selbstverständlich mit einer Liebe-Jott-Interpretation Billy Joels im Hintergrund. „Ich versuche, den Staubsauger zusammenzubauen“, jammert der DDR-Arbeiter im zwei Jahre alten Nostalgie-Gag, „und wie ich es auch anstelle, immer kommt ein Maschinengewehr heraus.“

Dieses Maschinengewehr richten ASL-AK auf alles, was sich bewegt oder von allen Bewegten angebetet wird. Im besten, Comedy-Unfälle hochbezahlter Privat-TV-Stars übertreffenden Moment, wird ein Mönch von Jesus Christus beim Onanieren erwischt. Und das nur, weil der gute Gott Popularitätsprobleme bekommen hat und mit dem Mönch ein neues Tuning-Evolutionsprogramm auf den Markt bringen möchte: den ewig erigierten Überpenis.

„Ich will nicht so enden wie Ra, Odin oder Zeus.“ Die verdingen sich mit Gelegenheitsjobs, während „Allah, der hinterfotzige Lump“ immer erfolgreicher wird. „Die Sache mit den Topterroristen war eigentlich meine Idee.“ Das Ganze ist weder theologisch noch geschmacklich korrekt, aber die Fallhöhe stimmt und wird von ASL-AK großartig ausgelotet. Wie gesagt: „Immer kommt ein Maschinengewehr heraus.“ Da kann man nichts machen.

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