Aus den Clubs: Tanzen zu Tamiflu

Die Homepage der Woche ist natürlich www.tamiflu.de. Jeder Clubgänger wird erschrocken aufhorchen, wenn er den Online-Grippe-Check ausgefüllt hat und sonntagmorgens lesen muss: „Die Grippe könnte Sie erwischt haben. Suchen Sie rasch Ihren Arzt auf, um so früh wie möglich mit einer geeigneten Behandlung zu beginnen“. Dabei hatte man nur bestätigt: „Kopfschmerzen, Husten, Muskel- und Gelenkschmerzen, ja!“

Auch wenn ein anständiger Kater die gleichen Symptome aufweist, ein bisschen Hystrie mag dennoch aufkommen. Es ist eine große Zeit für Hypochonder, von denen diese Szenen natürlich signifikant viele aufweist. Diese vielen Feierschmerzen waren möglicherweise ein Grund, weshalb Charles Petersohn und Guido Halfmann bei ihrer „Autorendisko“ am Sonntag weniger Besucher als erwartet im Maxim begrüßen konnten.

Katerstimmung gab es, nach dem wiederbelebten Wackeltreff in der Börse, tags zuvor, nach Butan-Rockocko, einem Spontanset des „King of East“ Marco Remus im Maxim und einem Rosensonntagszug in Winterkälte. Nun tanzten ein paar Karnevalsmüde zu Triphop, Big- und Breakbeat, Urban Sounds, Nu Jazz und anderen Nischenklängen, die Charles gekonnt ineinander mixte.

Ja, er ist gut, weiterhin, alles bestens, aber Hamburger-Schule-Barde Bernd Begemann wird immer recht behalten: „Wuppertal ist eine RNB-Stadt.“ Im Maxim gab es feinen Weißwein für die DJs, während man an Benjamin von Stuckrad-Barres Beschreibung erinnert wurde, wie albern es wirken kann, wenn „Mädchen versuchen, sinnlich zu Portishead zu tanzen.“ Guido rettete später mit Rock, aber es hatte einfach zu viel Party gegeben, an diesem Wochenende.

Die Autorendisko braucht ein wenig Zeit und Wuppertals Moods&Attitudes-Helden Guido und Charles werden sich diese Zeit mit Sicherheit nehmen. Dass Urban Sounds hier auf verstopfte Ohren stoßen, mussten bereits die großartigen Punchline Assassins erleben, die vom 45rpm nach Essen, Düsseldorf, Köln umgezogen sind. Umgezogen hat sich übrigens niemand, beim Karnevalsspecial des Bloomclubs,das ebenfalls für Sonntag angekündigt war.

Freibier sollte es geben, für jeden verkleideten Jeck, während DJ B.ariston und DJ Rocksta gemeinsam einen ordentlichen „Sundaze“-Abend mit HipHop, Soul, Funk, Dancehall, Reggae und House hinlegten. Hier war es überraschend gut besucht, getanzt wurde auch. Mädchen trugen halbe Herzen an Kirmeskettchen, und so weiter. Die Internetseite www.bloomclub.de ist ebenfalls endlich online, nach langem Warten. Startschuss für etwas Neues.

Das Spizz-Café von Bloomclub-Besitzer Robert Düssel hat am gleichen Tag für Umbauarbeiten geschlossen und wird unter neuem Namen viele Wochen später eröffnen. Am 3. und 4. März gibt es ein Spizz-Abschiedsspecial, mit der „Tripple Impact“-Releaseparty am Freitag und einem „Last Call“ getauften Abend am Samstag. Bis dahin kann man sich ausruhen, vielleicht das Tomte-Konzert im Rex, am 2. März besuchen und darüber nachdenken, ob Frank Schätzigs nächstes Katastrophen-Buch „Der Schwan“ heißen könnte.

Jan Drees

Ich bin Redakteur im Literaturressort des Deutschlandfunks und moderiere den „Büchermarkt“.

Im Jahr 2000 erschien mein Debütroman „Staring at the Sun“, 2007 folgte ein überarbeiteter Remix des Buchs. Im Jahr zuvor veröffentlichte der Eichborn-Verlag „Letzte Tage, jetzt“ als Roman und Hörbuch (eingelesen von Mirjam Weichselbraun). Es folgten mehrere Club-Lesetouren (mit DJ Christian Vorbau). 2011 erschien das illustrierte Sachbuch „Kassettendeck: Soundtrack einer Generation“, 2019 der Roman „Sandbergs Liebe“ bei Secession. Ich werde vertreten von der Agentur Marcel Hartges in München.

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