Soul Rabbi

Obschon das Judentum keine missionarische Religion ist, möchte Wuppertaler „Soul Rabbi“ die Menge zu seiner Seite ziehen. „Wie in Täubchen lasse ich meine Platten abends fliegen“, sagt er. 

Seine Gäste fliegen mit, seit vielen Jahren, sie fliegen mit, weil Soul Rabbi energisch und freundlich „sein Ding“ durchzieht. Wichtig ist für ihn nur auf der Tanzfläche. Am Freitag legt DJ Soul Rabbi ab 23 Uhr in Elberfelds Club Maxim auf, wie immer „natürlich nur Originale, keine Nachpressungen, es fühlt sich so anders an, wenn Du weißt, diese Scheibe ist verdammte 40 Jahre alt und kommt jetzt zu uns, an diesem Abend.“ Seine Augen strahlen. Aber sie strahlen nicht das euphorische Anfänger-Leuchten musikalisch unbefleckter CD-DJs, die ihre gebrannten Silberlinge im Softcase herumtragen.

Der Soul Rabbi ist der Soul Rabbi, weil er einen langen Weg gegangen ist, „zuerst mit der Gitarre, live, Straßenmusik und so, bis ich keine Lust mehr hatte, bis es nur noch um Kohle ging“, nach den guten, alten Zeiten, „bis ich umstieg aufs Plattendrehen.“ Wahrscheinlich war die Bundeswehr Schuld an der künstlerischen Geburt des langhaarigen, Ray-Ban-Sonnebrillen-tragenden Soul-Unterhalters. Ende der 70er Jahre fing es richtig an. „Ich bin kurz zur Tankstelle, im Fernsehen lief Agatha Christie, meine Mutter öffnet die Tür, stehen da die Feldjäger.“

Also ist der Fahnenflüchtige abgehauen, Richtung Frankfurt, „Berlin war ja längst dicht, da wollten alle hin.“ Dort, in der hessischen Großstadt, wo Heroin chic, Atomkraft „nein danke“ war, tauchte er unter. „Ich landete in einer amerikanischen WG, was bedeutete: viel Whiskey aus großen Gallonen, wohnen ohne polizeiliche Meldung und jede Menge Platten, die irgendwelche GIs zurückließen, wenn sie in die Staaten zurückkehrten.“ Im Jazzlokal „Mampf“ gab es „Ökobrot gegen kleines Geld, einen Kohleofen und die Chance, für 20 Mark zu spielen.“

Joschka Fischer schrieb fürs Linksblatt „PflasterStrand“, die Hausbesetzerszene blühte auf, irgendwo war immer Rio Reiser und es wurde demonstriert, gegen „Startbahn West“ oder „Wendland/ Gorleben“. Der Soul Rabbi mittendrin, gepackt vom alternativen Flair, der begleitenden, erdigen Musik, vom Aufbruch-Spürsinn, „bis meine ersten Freunde starben, am Heroin. Die sind nicht einfach tot umgefallen, die sind wirklich gestorben. Das ist ein Unterschied.“ Ein Wendepunkt für den jungen Musikliebhaber.

Er kehrte zurück, nach drei aufreibenden Jahren und mit einer Mission, mit der Mission, das Leben anderer Menschen besser zu machen. Viele Wege, beispielsweise über Köln und die spätere Compost-Szene führten ihn dann in die Clubs, bis nach Holland, wo er inzwischen wohnt, dann weiter hinaus. In diesem Jahr wird der Soul Rabbi mit James Brown und Marva Whitney auf Tour gehen. Die Soul-Legenden lieben den Plattendreher, ahben ihn fürs Warm-Up und die After-Shows gebucht. Und auch wenn das Judentum keine missionarische Religion ist – dieser Rabbi hat sie bald alle auf seine Seite gezogen.

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