Rezension: Tanz der Teufel

Nach seinem Erfolgsdebüt „Mandels Büro“ bringt Berni Mayer nun Buch Nummer 2 heraus und dieses Mal wird es düster. Es geht um: Black-Metal.

Irgendwann wird der Mandel in einem Sarg liegen. Das war bereits abzusehen, als er mit Detektivkollege Sigi Richtung Norwegen aufgebrochen war, um ein Black-Metal-Konzert zu besuchen. Die beiden können unmöglich losziehen, ohne Probleme zu bekommen. Im Januar 2011, als „Mandels Büro“ erschien, mussten die ehemaligen Popjournalisten im Milieu der Altpunks, Schauspielsternchen und Protestfolksänger ermitteln – und hinterliessen zum Teil doppelt verbrannte Erde. Im rundum gelungenen Nachfolger „Black Mandel“ sorgen Blut-und-Boden-Fanatiker, Okkultisten und norwegische Metalmusiker mit Kreuzigungsphantasien für Feuer unter Mandels trägem Hintern.

Es gehört zu den Eigenarten einer jeden Krimireihe, dass immer dort, wo der Detektiv auftaucht, ein Verbrechen geschehen muss. In Norwegen wird Baalberith, Sänger der Black-Metal-Band „Dark Reich“ entführt. Anlass für Max und Sigi, ihr gerade von der IHK angelerntes Detektivwissen anzuwenden. Sie geraten in düstere Ecken, lernen beispielsweise eine Ausserparlamentarische Opposition kennen, die sich gegen die Christianisierung Norwegens auflehnt. Die hat zwar vor über tausend Jahren stattgefunden, ärgert nachtragende Nordmänner aber bis jetzt.

Kein Wunder, dass Kirchen brennen, wenn Recken wie Myklebust, Skull oder Gunarr in jeder Tolkien-Verfilmung den Ausverkauf ihres Allerheiligsten erkennen. Sie sind klassische Modernisierungsverlierer, die sich grölend gegen Veränderungen stemmen. Mit pseudoheroischem Elan leiten sie ihr Dasein aus altisländischen Sagen ab. Sie trinken Honigwein nach Urväters Sitte, essen Fisch im Aschemantel, verweigern sich der Heiligen Schrift.

Ein echter Norweger geht nur dreimal in seinem Leben in die Kirche. Aus zwei dieser Anlässe muss man ihn allerdings tragen. Und weil der süßlich liturgische Gesang nur die Wickingersinne benebelt, bietet Black Metal ausreichend andere Möglichkeiten, Wut und Gewalt auszudrücken. Diese kindliche Wut beschriebt Berni Mayer mit hintersinniger Lust. Er lässt seine Figuren einfach reden. Mit dieser einfachen Methode lassen Talkmaster ihre Gäste bisweilen gegen die Wand fahren, nach dem Motto: Erst wenn Tom Cruise nicht unterbrochen wird, haben alle ihren Spass.

Wird Mandel weiterhin ermitteln können, wenn er doch schon im Sarg gelegen hat? Wird nach Folk, Pop, Kraftblues und Black Metal eine Techno-Mandel-Fortsetzung möglich sein? „Garantiert nicht“, sagt Berni Mayer im Interview, „Techno interessiert mich nicht die Bohne und den Mandel auch nicht. für den dritten Band bin ich mittlerweile schon von Led Zeppelin zu Duke Ellington über Serge Gainsbourg gewandert, der Mandel überrascht mich da selbst immer ein bisschen. Aus Black Mandel ist mir übrigens eine Vorliebe für das Livealbum der Allman Brothers geblieben, von den ganzen norwegischen Bands mal ganz zu schweigen.“

351_40952_131021_xxlWenn Berni Mayer in diesem Tempo weiterschreibt, wird er spätestens im Sommer 2013 erneut auf der Matte stehen. Der Verlag wird sich nicht dagegen sperren: Bücherreihen werden in immer kürzen Abständen auf den Markt geworfen – wie bei „Shades of Grey“. Das war in den 60er Jahren noch ganz anders. Damals befand sich die Musikindustrie im Releaserausch. Die Rolling Stones kamen von 1964 bis 1969 auf 15 Alben.

Aufgrund umfangreicher Promo- und Tourvorbereitungen hat sich der Abstand zwischen zwei Platten enorm verlängert. Stattdessen haben Ikea-Kataloge heute eine längere Halbwertszeit als viele Romane, weil Bücher sehr schnell reduziert im Netz zu finden sind. Beim Second Hand verdienen Verlag und Autor logischerweise nicht mit. Also muss etwas Neues her. – Die Nase vorn haben nun Autoren wie Berni Mayer, die schnell auf Pointe liefern, und dabei anständig recherchierten können.

„Ich habe haufenweise Bücher, Fanzines und Interviews gelesen, DVDs geschaut und Black-Metal-Platten gehört“, berichtet der Bayer von seinen sehr unterhaltsam klingenden Vorbereitungen. „Zudem habe ich einen Sprachführer Norwegisch gekauft und ein paar Brocken gelernt – und längst wieder verlernt. Ich hab was über Tolkiens schwarze Sprache gelesen, mir die Edda gekauft und etliche Artikel über Fjordangeln und norwegische Nationalgerichte besorgt.“ Fjordangeln und brennende Kreuze – das klingt beinahe romantisch.

Berni Mayer: „Black Mandel“, Heyne, 384 Seiten, 8,99 Euro

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