Aus meinem Habitat

Gregor Szyndler ist einer der Herausgeber von Zeitnah, einem Schweizer Internetkulturmagazin. In Ihrem Editorial schreiben die Initiatoren (dazu gehören Daniel Lüthi,  Michel Schultheiss und Andy Strässle):

Alle Welt, alle Welt ist Sprache. Was süffig klingt und plausibel daherkommt, scheint im Internet ab und an unterzugehen. Schnell vergisst man angesichts von Kalauern des Schlags: Die Welt, meine sehr verehrten Leute, die Welt ist weder Scheibe noch Kugel / die Welt, das weiss doch jeder heute, die Welt ist ein Such-Tool von Google“ den im Grunde urpoetischen Kern des Netzes.

Dem Internet wird manches nachgesagt – jeder kennt die stets chorisch angestimmten Kultur-Untergangs-Arien -, nur befremdlicherweise eines gerade nicht: dass das WWW das natürliche Habitat auch für Textkultur und Kulturtext ist, die sich wohl in Verbreitungsmethode und Weite des vorgelagerten Flaschenhalses, keineswegs aber in Sachen Anspruch oder angepeilter Fallhöhe von den uns so vertrauten, ans Herz gewachsenen Textformen des Gutenberg’schen Universums unterscheiden.“

Vor wenigen Tagen saß ich an Bewerbungsunterlagen für eine Graduiertenschule – die sich „Intermedialität“ auf die Fahnen geschrieben hat – weshalb ich meine Bücher, die Zettelkästen, meinen Mac fotografierte, um in Bildern unterstützend herzuzeigen, wie die einzelnen Arbeitsschritte meiner Dissertation aussehen werden (dies war Teil des Bewerbungsverfahrens, inklusive Gutachten, Zeugnisse, Lebenslauf etc.). Die Bilder habe ich dann, denn irgendwas muss man ja posten, auf meine Facebooktimeline gestellt. Und Gregor hat ich freundlicherweise gefragt, ob er diese Bilder verwenden dürfe – und wir starteten ein kurzes Interview. Das Ergebnis kann man nun hier nachlesen.

Das Zeitnah-Magazin füllt sich stetig. Bisher geht es um Autoren, von denen ich zum Teil noch nie gehört habe. Das ist eigentlich schon Grund genug, sich durch Zeitnah zu klicken. Es gibt aber auch Essays über Elefanten in Basel, über eidgenössische Volksinitiativen, bislang unveröffentlichten Briefwechsel zwischen Hermann Hesse und dem Zürcher Bildhauer Hermann Hubacher, eine Kolumne über das heimliche Verschwinden der Weltwoche usw. Ist für Ruhrgebiets-/Bergisches Land-Bewohner wie mich ein bisschen wie NZZ-lesen. Es bringt Freude – nur der Zürcher Lokalteil fehlt. (Ab jetzt auch im Blogroll, prima Jungs).

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