Linkradar: Sieg, großer Sieg!

Zwei in einer Woche, das klingt wie „Drei in a Weggla„, also drei Würstchen im Brötchen, wie es in Nürnberg gereicht wird – und was nicht so abwegig kombiniert ist, wie es klingt Denn ich war gerade in Nürnberg, hatte dort jedoch nicht meine Linkradar-Notizen dabei und liefere nun also die Desktop-Wuppertal-Version nach. Anlass der Reise ins Bayrische war mein späteres Treffen mit Uwe Timm, der im März 75 Jahre alt wird. Davor gibt es jedoch noch andere Bücher und Themen, unterhaltsam und derart rasant zusammengefasst, dass man sich danach am besten auf einem der vielen Stühle der aktuellen Möbelmesse (siehe unten) ausruhen mag.

U1_978-3-87134-787-0.inddCharmanter Chit-Chat: Den beherrscht Gesellschaftsjournalist Alexander von Schönburg („Tristesse Royale„) par excellence. In seinem empfehlenswerten Buch „Smalltalk“ (bei Rowohlt) gibt es einen 320-Seiten-Kurs in Sachen stilvolles Mitreden. Mit großartigen Anekdoten wie jene über die uniwssend Kaufhauserbin Betsy Bloomingdale, die während eines Dinners in Los Angeles zu Klaus Maria Brandauer sagte: „Bei ihrem Aussehen könnten Sie hier in Hollywood Karriere machen.“ Er: „Mit Verlaub, mein Name ist Klaus Maria Brandauer!“ Daraufhin die Erbin, kein bisschen eingeschüchtert: „Das macht gar nichts. Den Namen kann man ändern.“ (Hier geht es zum Beitrag in 1LIVE Plan B).

190px-KarL-May-koloriertSieg, großer Sieg!: Das sind nicht nur die letzten Worte Karl Mays (Bild) – das gilt auch fürs Ende der Suhrkamp-Soap. Deutschlandradio Kultur schreibt, dass der Kampf ums traditionsreiche Haus zwischen Verlegerin und Gesellschafter Hans Barlach endlich entschieden ist. „2013 steuerte Ulla Unseld-Berkéwicz Suhrkamp waghalsig in eine kontrollierte Insolvenz, um mit Hilfe des gerade neu eingeführten Schutzschirmverfahrens den Verlag in eine AG umzuwandeln.“ Neuer Teilhaber wird die Familie Ströher. Der alleinige Vorstand der Suhrkamp AG wird laut Verlag Jonathan Landgrebe sein. Ihm wird ein Gremium aus drei bis vier Personen zur Seite stehen, darunter Unternehmenssprecherin Tanja Postpischil.

51l0lSOUYcL._SY344_BO1,204,203,200_Aus Lauten werden Worte: Im Literatur-Bullshitting von Heinz Strunk, der in der NDR-Sendung Extra-3 regelmäßig als Prolo-Prototyp unterschiedlicher Branchen auftritt und nun ein ganzes Werk zum „Strunk-Prinzip“ vorgelegt hat. Darunter gibt es auch ein Kapitel über Bücher. „Es gibt einen schönen Satz, der da lautet: Bücher sind Schuhe für Gedankengänge.“ Man könnte Strunks Sätze auf kommenden Buchmessenpartys abgleichen (oder mit der nächsten Verleihung des Bayrischen Buchpreises). „Das Verlangen, das Sprache anzetteln kann, vermag sie selber niemals zu stillen.“ Dazu diese Titelvorschläge: „Melancholie und Nierenversagen“, „Priester in Jeans“, „Prosecco und Orangenhaut.“

pulp37In eigener Sache: In letzter Zeit sind etliche Sachen erschienen, darunter dieser Freitag-Artikel über René Polleschs neues Stück „Rocco Darsow“ und jener hier über den „Social Turn in der Literaturwissenschaft„, ein Beitrag in 1LIVE Plan B über Dave Zeltsermans Page-Turner „Killer“ (Bild) und einer über das „Paul Temple“-Hörbuch von Bastian Pastewka. Im BR2 Zündfunk Generator lief mein einstündiges Feature über „Humanities studieren 2015„. Es folgt alsbald ein weiteres über „Terror in der Gegenwartsliteratur“ – u.a. mit Ulrike Draesner, Uwe Timm und Michael König, der gerade seine Dissertation über die „Poetik des Terrors“ bei transcript vorgelegt hat.

Konsuminventur

Braun_SK_2_RadioEames: Begeistert erinnere ich mich an meine Seminare zur Designgeschichte. Professorin Gerda Breuer lud in die Designsammlung ein und ich sah mit chic gekleideten, popmusikalisch gebildeten Kommilitonen auf einem der edlen Stühle, zwischen Frankfurter Küche und Braun-Geräten (Bild). Der legendäre Suhrkamp-Designer Willy Fleckhaus war hier Professor. Zur Möbelmesse bringt Monopol an dieser Stelle einen guten Text und zitiert Produktdesign-Professor Volker Albus: „Bemerkenswert war für mich vor allem eines: wie sich ein ganzer Industriezweig angesichts wirklich außergewöhnlicher soziokultureller Veränderungen in fast schon autistischer Manier mit nichts anderem beschäftigt, als mit der Inszenierung des gutbürgerlichen und wirtschaftlich gesicherten Seins.“

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