Rezension: Nicht der Süden

Volker Strübing, Poetry-Slam-Meister und Berliner Lesebühnenheld der ersten Stunde („LSD – Liebe statt Drogen“ und „Chaussee der Enthusiasten“) ist mit seinen großartig komischen, bewusst stupide animierten YouTube-Videos der Thesen- und Tresentrinker „Kloß und Spinne“ zu Internetruhm gelangt. Wem seine Geschichtensammlung „Ein Ziegelstein für Dörte“ bis jetzt entgangen ist, der kann sich auf zwei, drei absurde Stunden freuen. Die „Heile, Heile„- und „Die Titanic und Herr Berg“-Romanautorin Kirsten Fuchs, umjubelte Gewinnerin des Open-Mike-Literaturwettbewerbs 2003, ist ebenfalls „Chaussee der Enthusiasten“-Mitglied, dazu Kolumnistin und eine (wort-)erfindungsreiche Person, was sie während des EM-Sommer 2008 unter Beweis stellte, als sie und Volker Richtung Nordpol aufbrachen, um eine Fernsehdokumentation über Skandinavien, die Polarregion, den Umweltschutz usw. zu drehen. Dabei entstand dieses wunderbare „Nicht der Süden“-Projekt, in dem Fuchs aus der Zukunft und Strübing aus der Vergangenheit von ihrem Trip erzählen.

„Wir haben niedliche und beeindruckende Tiere gesehen und teilweise auch gegessen“, erinnert sich der  Autor, während Kirsten Fuchs ihre traumatischen Erlebnisse (unter anderem zerbrach Volker ihre Brille, als er sich ungeschickt in der Kajüte bewegte) in einen Science-Fiction-Plot verpackt und ihre Enkelin die Reise im Jahr 2063 antreten lässt. Zusammen mögen die beiden literarisch weniger punkten als allein – aber der Film ist große Klasse. Wermutstropfen: Leider gibt es zum Buch nur den ersten (immerhin 60-minütigen Teil) der Reisereportage.

Kirsten Fuchs, Volker Strübing: „Nicht der Süden“, Voland & Quist, 260 S., DVD mit 1 Std. Doku, Diashow mit Lesung, 19,90 Euro

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