Lokalperlen: „Feeling“ aus dem Tal nach Frankreich gebracht

Brenda Boykin gewann gemeinsam mit dem Ulrich Rasch Quartett einen Auftritt beim Newcomer-Wettbewerb auf dem renommierten Jazzfestival in Montreux.

„Wir haben das Wuppertaler Feeling nach Montreux gebracht. Es war die Begeisterung der vielen Menschen, die uns 48 Stunden zuvor auf dem Karlsplatz gehört haben“, sagt Brenda Boykin rückblickend. Vor zwei Wochen gewann die Sängerin gemeinsam mit dem „Ulrich Rasch Quartett“ einen Newcomer-Wettbewerb beim renommierten Jazzfestival in Montreux, wo bereits Stars wie Ray Charles, Gary Moore, Charles Mingus oder Marvin Gaye eingeladen waren.

Kurz zuvor sind sie tatsächlich vor der „Rathaus Galerie“ aufgetreten, in bester Bierzelt-Atmosphäre. „Wir sind ohne Erwartung nach Montreux gereist“, erzählt Ulrich Rasch, gerade aus dem 14-tägigen Frankreich-Urlaub ins Tal zurückgekehrt. „Ich habe vielen Leuten überhaupt nicht erzählt, dass wir zu einem Wettbewerb antreten, das hätte zu viel Druck aufgebaut.“ – So reisten die fünf Musiker trotz langer Staus relativ entspannt in den Jet-Set-Ort am Genfer See. Mehr als 70 Bands bewarben sich 2005 bei der hochkarätig besetzten Jury, bei Vertretern der Tonträger- und Radioindustrie, die auf zwei Newcomer-Bühnen nach möglichen Auftrittsaspiranten für das kommende Jahr suchten.

Vor wenigen Monaten haben Brenda Boykin und das Ulrich Rasch Quartett ihre Live-CD vom Rex-Auftritt am 19. Oktober 2004 veröffentlicht. Die Wuppertaler Band kennt Boykin, eine der aktuell besten Jazzstimmen, seit 1999. Damals trat die Sängerin aus Oakland/USA beim Freiburger Zeltmusikfestival auf, ebenso Ulrich Rasch, der Ausnahmepianist aus Wuppertal. 1999 war Boykin Bammy-nominiert (Bay Area Music Award). Nun fügt sich ihre Stimme ins lokale Bandprojekt ein. Rasch hatte seine Kollegen Hendrik Gosmann (Bass), Peter Funda (Drums) und Jens Filser (Gitarre) mit ins Boot geholt und schon auf dem Album hört man das tolle Bandarrangement zu „Whole Lotta Shakin“, cooler Swing mit einer Menge Raum, wie langgezogen – oder „The Letter“; wie dem Chartshörer berechtigterweise zwar Joe Cocker einfällt; aber von Boykin gesungen ist es weniger ein- und damit auch aufdringlich. Dafür: „For a Sentimental Reasons“, wie „Next Time You See Me“ und „Blue Moon” als Session-Studioaufnahmen.

Im weiten Feld von Montreux spielten Stars wie Craig David. Alice Cooper, das wussten Ulrich Rasch und Band, war ebenso angekündigt wie The Corrs, Apocalyptica und Brian Wilson, die zwar wenig mit Jazz, doch viel mit Übergröße zu tun haben und für zusätzliches Funkeln sorgten. – Doch die Wuppertaler, im kommenden Jahr Teil des VIP-Corsos, mussten sich mit ihren Stücken trotz weltweiter Konkurrenz keineswegs verstecken. Alles war etwas spartanischer, die Unterkunft in einem Wohnheim der Hotelfachschule, das Catering-Essen mehr auf Sättigung denn auf Haute Cuisine bedacht.

„Mit dem Auto konnten wir auch nicht aufs Festivalgelände fahren“, sagt Rasch, „das Equipment musste zu Fuß geschleppt werden“, wie in den guten, alten Anfangszeiten. Gleichzeitig begeisterte das Gefühl, an einer großen Sache teilzunehmen. „Von den Stars selbst haben wir dennoch nichts gesehen.“ – Brenda Boykin wird nicht müde, währenddessen ein Loblied auf ihre Wahlheimat Wuppertal zu singen: „Genau hier möchte ich sein, genau hier möchte ich bleiben mit den Jungs, mit Ulrich Rasch und seinem Quartett. Es gibt, glaube ich, eine typisch deutsche Kultur, und es gibt davon abgekoppelt eine typisch Wuppertaler Kultur, eine ungewöhnliche Art, Dinge anzufassen, ein besonderes Gefühl. Und dieses Gefühl haben wir mit aufs Festival genommen.“ – In Montreux haben also nicht nur die fünf Musiker gewonnen, ein bisschen kann auch ganz Wuppertal die Arme hochreißen.

 

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