Linkradar: This Guy Would Be Fun…

Die Ereignisse der vergangenen Woche – schnell zusammengefasst: Mit Sonderzahl und Quickmeme, Alexander Kluge, den Klagen eines verhinderten Bücher-Podcasters, Etliches zum Rausch, dem Suhrkamp-Logbuch, Aufbau und „Die Macheten-Bande“ von Dorian Steinhoff.

Stop_e-bookGespräch des Wochenendes: Das erheiternde Mailunglück des Wiener Sonderzahl-Verlages, der die Literaturszene zusammen- und durcheinandergebracht hat (hier auf LesenMitLinks, dort empfohlen von Bildblog), aufgezeichnet von Uwe Wittstock und vom Tagesspiegel. Warum sollte man dergleichen nicht professionell für die Verlagsszene aufbauen – ein Diskussions- und Läster-/Debattierportal, mit angegliederter Singlebörse, Couchsurfing- und Doppelzimmerofferten für die Messen, zur Abstimmung des Badeoutfits in Klagenfurt – Social Reading professionelle? Der Mailserver von Sonderzahl scheint ganz stabil zu sein. Nutzen wir doch eben den. Update: Der Verleger im Interview.

memeWie wenig man benötigt, um eine großartige Story zu erzählen kann man auf quickmeme.com sehen. Unter der Überschrift „Now This Guy Would Be Fun To Work With… He’s Hilarious!“ sind zehn (vermutlich gefakte) Beschwerdezettel einer nicht näher bezeichneten Firma abgebildet, auf denen sich ein gewisser „Simon“ während mehrerer Wochen über seinen Kollegen David Thorne auslässt. David soll angeblich einige besonders tückische Ideen umgesetzt habe, um mehr Leben in den beziehungsweise in seinen Büroalltag zu bringen, auf Kosten des besagten Simon (besonders schön ist das jedes Mal angekreuzte „Disciplinary“ -Antragskästchen).

Kluge„Wo immer der Mensch einem Zuviel ausgesetzt ist, bedarf es einer Entscheidung, die in jeglicher Ausprägung immer auch eine Verweigerung gegenüber anderen Möglichkeiten ist. Von dieser Überlegung ausgehend ist es naheliegend, dass eine Selektion auch notwendig ist, um die von allen Seiten auf den Nutzer einfallende Informationsflut im Internet zu bewältigen.“ Ausführlicher Verriss aus litaffin.de von Alexander Kluges Essay „Die Entsprechung einer Oase“ (bereits im März 2013 erschienen bei mikrotext). Rezensent Demian Sant’Unione kommt aus Wuppertal, studierte Deutsche Philologie und Theaterwissenschaft in Berlin, arbeitet in der Suhrkamp-Webredaktion und bei Mohrbooks.

JonsdottirVergangene Woche Dienstag sprach ich in 1LIVE über das HAM.lit-E-Book (hier geht’s zum Beitrag), Sólveig Jónsdóttir (Bild) und Dirk Knipphals’ „Die Kunst der Bruchlandung“ – da musste ich Mittwoch wieder ausrücken, um anlässlich der ersten Folge der verdammt guten Sendung „Mr. Dicks“ (Beitragsbild) auf Einsfestival und 1LIVE „Bücher zum Rausch“ vorzustellen: hier in 1LIVE Plan B mit Ingo Schmoll. Ein Beitrag über Jörg Fauser, Ernest Hemingway, Hans Fallada und den Technorausch bei Rainald Goetz („Rave“) und Hans Nieswandts “DJ Dionysos“. – 1LIVE-Kollege Hans Nieswandt ist seit 1.1. künstlerischer Geschäftsführer des neu gegründeten Folkwang Instituts für „Populäre Musik“.

296007_103323299772024_224651_nEnno Stahl (Bild) hat nach seinem taz-Text noch eine Erwiderung auf Florian Kesslers Zeit-Artikel geschrieben: „So wie es keine ‚Geschichte von unten‘ gibt, da sie bislang niemand aufzuzeichnen für nötig hielt, gibt es auch keine ‚Literatur von unten‘, die schreibt nämlich niemand. Sicher existieren heute, im Zeitalter von Digitaldruck und E-Publishing, für jeden ausreichende Möglichkeiten, eigene Texte zu veröffentlichen. Dass dabei Rohdiamanten ganz ohne die Handreichung von Experten den Feinschliff verpasst bekommen, ist (…) eher unwahrscheinlich. Eine gewisse Nähe zum literarischen Feld, Austausch mit anderen Autoren und Kritik sind wohl doch unerlässliche Voraussetzungen literarischer Qualität.“

xxxDebatten: Gerade hat ein Bücher-Podcaster sein Leid über die vermeintlich träge Buchbranche geschrieben, die seine „Werbung“ boykottiere (warum die Begründung „Werbung“ Quatsch ist habe ich hier schonmal lang ausgeführt). Dann schreibt Friedrich Forssmann einen Tag, nachdem der Stern einen E-Reader-Test veröffentlicht hat, ein Anti-E-Book-Mainfest, das sich wenige Tage später mit Sonderzahl trifft und hier von Zoe Beck klug erwidert wird. Dann tauscht Aufbau seine Geschäftsführung aus, stellt Reinhard Rohn und den mir persönlich sehr sympathischen (da Läuferromane wie Tom McNabs „Trans America“ liebenden) Gunnar Cynybulk an die Spitze.

ScharlauIn eigener Sache: Im Blog gibt es neue Texte über „Die Wirklichkeit des Lebens an meiner Seite“ von Christoph Höhtker, Dirk Knipphals’ „Die Kunst der Bruchlandung“, Chick-lit von Suhrkamp, „lebenslänglich“ von Philipp Moog, das „Zonic“-Magazin, über „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ von Nora Bossong und „Das bin doch ich“ von Thomas Glavinic. Am Freitag vergangener Woche las Felix Scharlau in 1LIVE Klubbing aus „Fünfhunderteins“ (Bild), diese Woche kommt Reinhard Kaiser-Mühlecker. In 1LIVE Shortstory gab es „Ordnung muss sein“ von Mia Morgowski, am Donnerstag dann „Die Macheten-Bande“ von Dorian Steinhoff und zum Vormerken: Meine „Teneriffa“-Story läuft am 23. Februar.

Jan Drees

Ich bin Redakteur im Literaturressort des Deutschlandfunks und moderiere den „Büchermarkt“.

Im Jahr 2000 erschien mein Debütroman „Staring at the Sun“, 2007 folgte ein überarbeiteter Remix des Buchs. Im Jahr zuvor veröffentlichte der Eichborn-Verlag „Letzte Tage, jetzt“ als Roman und Hörbuch (eingelesen von Mirjam Weichselbraun). Es folgten mehrere Club-Lesetouren (mit DJ Christian Vorbau). 2011 erschien das illustrierte Sachbuch „Kassettendeck: Soundtrack einer Generation“, 2019 der Roman „Sandbergs Liebe“ bei Secession. Ich werde vertreten von der Agentur Marcel Hartges in München.

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