Rezension: Wir sind Helden

Einmal erzählt Judith Holofernes von ihren Kindheitsträumen. „Klopf, klopf“, klopft ihr Herz, weil sie mit Nena und Nina Hagen auf der Bühne stehen wird. Das war im Sommer 2002 und davor, danach, ist eine Menge geschehen, mit Judith und Wir sind Helden.

Bei 1LIVE Eine Nacht in Bielefeld haben Wir sind Helden aus dem vor gar nicht allzu langer Zeit erschienenen Buch: „Wir Sind Helden – Informationen zu Touren und anderen Einzelteilen“ im Alarm Theater vorgelesen. Die Fans konnten eine Preview oder besser ein „Prehearing“ erleben. Sie wurden bekanntgemacht mit einem liebevoll gestalteten Text, der neben den obligatorischen „tiefen Einblicken“ vor allen Dingen gut verfasste Erinnerungen der Band zeigt, Notizen aus den vergangenen Jahren von so charmanter Art wie der Eintrag vom 6. Juni 2004:

„Und so spielten wir denn in Nürnberg bei ‚Rock im Park‘ vor einem der größten Publikümmer unserer jungen Bandgeschichte in dem Wissen, dass wir von der Bühne herunter in einen Hubschrauber steigen würden. Und, ganz ehrlich, das ist sehr ROCK, aber es ist auch sehr fürchterlich AAARGH. Wir hatten unser Testament in Kurzform bei unserem Verleger abgegeben. Ehrlich. Und wir hatten auch nur ein klein wenig gelacht, als wir überlegten, ob wir alle im selben Schrauber fliegen sollten oder nicht.“

Zum Glück ist die Band nicht abgestürzt – weder mit dem Hubschrauber im Sommer 2004, noch in den Charts oder aus den Herzen der Fans hinaus, ins DSDS-Nichts. Schreiben können sie auch. Judith Holofernes, Pola Roy, Jean-Michel Tourette und Mark Tavassol, die vier mit den schönsten, selbstausgedachten Rockstarnamen der deutschen Musikgeschichte (Falco war Österreicher), haben Verlagskollegin Sarah Kuttner ebenfalls begeistert: „Es ist ja nicht zum Aushalten!“, schimpft Sarah einleitend, „reicht es denn nicht, dass diese Band ausschließlich aus liebenswerten und schlauen Menschen besteht?“ Nein, es reicht nicht.

Es hat ein weit bekanntes Happy End: Nach ihrem „Grundkurs in Popularität – März bis August“, als sich drei der späteren Helden im „Kontaktstudiengang Popularmusik“ trafen („Drei Viertel der Helden haben sich beim, seufz, Sommerkurs einer Musikhochschule kennen gelernt.“ – Judith), folgen Proben in Lüneburg und „am Ende der Probe hatten wir sechs Lieder drauf: ‚Die Nacht‘, ‚Müssen nur wollen‘, ‚Hirnwichserei‘, ‚Außer Dir‘, ‚Popstar‘ und ‚Meine beste Freundin‘. Überglücklich rollte ich in meinem Opel Corsa zurück nach Dinkelsbühl“ (Pola). Der Rest ist Geschichte und in diesem netten Buch bestens dokumentiert.

Und das Happy End? Es dauerte mehrere Monate und nimmt die letzten Seiten ein und hat zu tun „mit dem sehr realen gummibärchengroßen Baby auf dem Ultraschallbild“ (Judith) im Frühsommer 2006, das vieles im Leben der Helden veränderte – und weshalb Judith auf dem aktuellen Album „Soundso“ keine Gitarre spielen konnte. Aber das erzählt bzw. erzählte Judith besser selbst.

„Wir sind Helden – Informationen zu Touren und anderen Einzelteilen“, Fischer Verlag, 410 Seiten, 12,95 Euro / Das Beitragsbild ist von Wikipedia

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