Vanity Fair

Egoistisch, dumm und böse sind die Protagonisten von William Makepeace Thackereys „Vanity Fair – Jahrmarkt der Eitelkeit“. Wuppertals Schauspieler Thomas Birnstiel las Mittwochabend im Cinetal aus Anlass der Reihe „Literatur und Film“ einen Ausschnitt vom 1847 erschienenen „Roman ohne einen Helden.“ Anschließend wurde die kostümgewaltige Adaption von Regisseurin Mira Nair gezeigt, mit Reese Witherspoon als Becky Sharp.

Ihre Rolle entspricht dem üblichen Heldenkurs eines groß angelegten Gesellschaftsroman des vorletzten Jahrhunderts, dem Sittengemälde in Buchform. Denn Becky, die vielleicht keine Heldin, jedoch Hauptfigur der Geschichte bleibt, erfährt im Aufstieg von der Waisenschülerin zu Londons umfeierten Stadtgespräch, wie ihre britisch-kriegerische Gesellschaft wirklich zusammengesetzt ist, wo des Pudels Kern zu finden sei. Während Freunde im Krieg gegen Napoleon fallen, erfährt die schwangere Becky ihr eigenes Waterloo.

Thomas Birnstiel, vor der bereits offenliegenden Leinwand sitzend, las aus dem ersten Kapitel und man wartete jederzeit, dass er aufspränge, schauspielernd, den sorgsam einstudierten Vortrag weiterführend. Denn hier lebte Thackerey deutlicher, eindringlicher auf, als bei Nairs Film, was letzteren nicht schmälern, sondern die kurze, bei dieser Hingabe viel zu kurze Leistung Thomas Birnstiels hervorheben soll.

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