Vampirismus für Anfänger

Der Spanier Alberto Torres Bladina erzählt in seinem Debütroman „Salvador und der Club der unerhörten Wünsche“ von einem Flughafen-Putzmann, der bald in Rente gehen wird. Während seiner letzten Tagen legt er sich nochmal richtig ins Zeug.

Salvador kann, was gute Autoren auch können sollten, nämlich erzählen. Jeden Tag spricht er Reisende und Kollegen im Airport an. Er ist ein „social animal“ und doziert sehr charmant über den Zusammenhang von Hosen, Rasur und Reisezielen. Er berichtet von in Nepal gekauften Babys. Er entwirft Marketingstrategien für Transsylvanien, Draculas-Heimat: „Wenn es den Reiseveranstaltern gelingt, viele Touristen zu ködern, werden in ein paar Jahren alle Rumänen Experten für Vampirkunde sein: Sie werden dir Gruselgeschichten erzählen, uralte Amulette und neu aufgelegte verbotene Bücher verkaufen, und die satanischen Wallfahrtsorte werden sich verhundertfachen.“

In jedem Dorf Transsylvaniens gäbe es dann Splitter der Pfähle zu kaufen, auf denen Dracula seine Opfer spießte und Blutstropfen aus seinen Eckzähnen würden zu horrenden Preisen angeboten. „Salvador und der Club der unerhörten Wünsche“ ist ein bemerkenswertes Buch mit einem bemerkenswert sanften Helden. Mit einem Mann der sich Gedanken macht, eine Haltung besitzt zur Liebe, zum Tourismus, zur Familie ja, zum Leben. Man möchte ihn beinahe einen Alltagspropheten nennen.

Die eigentliche Faszination entsteht auf andere Art und Weise. Denn Salvadors Stories steigern sich von Seite zu Seite, werden skurriler, mehrdeutiger, zum Teil auch dunkler – bis zur letzten und sehr cleveren Wendung, die alles, was bisher geschehen ist, im neuen Licht erscheinen lässt. Übrigens ist genau das eine besondere Stärke des Romans. Er verändert den Blick. So stimmt es beispielsweise nicht, dass die Menschen vom Flugzeug aus wie Ameisen aussehen. Die Menschen sieht man gar nicht. Es sind die Häuser, die wie Ameisen wirken. Es lohnt, genauer zu beobachten.

Alberto Torres Blandina: „Salvador und der Club der unerhörten Wünsche“, übersetzt von Petra Zickmann, DVA, 224 Seiten, 16,95 Euro

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