Staring at the Sun

Mittwoch, 20. Juni, 21:04 Uhr, bevor die Sonne untergeht. Würde ich mich selbst beobachten, schaute es so aus: Oberstufenschüler Dennis Riem, 18 Jahre, Billy-Talent-Hörer, Energy-Drink-Fan und Poetry-Slam-Poet, sitzt Reichsgold-Dosenbier trinkend auf einer Stadtparkbank in Wuppertal, nahe des Bismarckturmes, schreibt mit Bleistift wie manisch in sein kleines Notizbuch, beachtet die tollenden Hunde nicht, sieht keine Blumen, keine Kinder, die Cliquen nirgendwo, und es ist Sommerferienanfang, die anderen sind längst im Schwimmbad, ohne ihn.

Dennis fühlt sich frei, ist euphorisch, angeheitert, haikuschwanger, verrückt irgendwie, möchte endlich das Ding beenden, an dem er schon seit Monaten hängt, selbst in Vorklausurnächten: den Staring at the sun -Roman. Natürlich wird Dennis niemals Haikus schreiben, das überlässt er Tassilo, dem dichtenden Hund aus den FAZ-Comics, und lüsternen Japanologieprofessoren aus Ostdeutschland, die ihre Kit-Kat-Klub-Fantasien beim Rotwein in der Toskana-Sommerfrische runterpinnen. Dennis schreibt seinen ersten Roman.

In diesem Roman soll es, konventionell verfasst, vielleicht zwei, drei Wochen beschreibend, um Popmusik gehen (ein bisschen), um MTV und Horrorvideos, um Markenkleidung, Clubbesuche, Drogen. Die Perspektive kippt: Ich möchte über glückliche und unglückliche Liebe schreiben, über Computerspiele, Sexrekorde, Pädagogenspießer, Spielplätze, Tankstellenalkohol, über ganz viel Literatur, über Autoren, die ich wirklich liebe.

Das Ganze »aber natürlich völlig eigenständig«, um den Wahlhamburger Liedermacher Bernd Begemann zu zitieren, aus seinem tollen Song »Unsere Band ist am Ende«. – Einmal spielte Begemann im Wuppertaler Kleinkunsthaus LCB, im Live Club Barmen, und behauptete, die blinde Sängerin Corinna May hätte beim Chansonwettbewerb der Eurovision erst dann Chancen, »wenn sie ihre Klamotten nicht mehr selbst aussucht«. Eigentlich war der Spruch asozial, aber weil alle gelacht haben …

Zeitschriften sollen im Roman vorkommen, Buttonsprüche, Biostunden, ein paar Träume, dieses Surreale eben, irgendwie mit Überraschungen, wie bei »Fight Club«, wo zum Schluss rauskommt, dass Tyler Durden und dieser Versicherungstyp, der von Edward Norton gespielt wird, ein und dieselbe Person sind, und irgendwie möchte ich Realität und Fiktion, Kosmos und Wurzelchakra, die Sterne und den Staub verknüpfen. – Das Bier knallt ganz schön rein.

Worum geht es denn die ganze Zeit? Um einen aus Chaos wachsenden Wahnsinn, den wir nicht begreifen können und den wir inzwischen für selbstverständlich halten, weil wir uns ablenken können, wunderbar. Ich spiele an den Tagen, an denen ich nicht schreiben kann, bis tief in die Nacht irgendwelche Computergames im Internet und gehe immer später ins Bett, und in der Zeit passieren, während ich im Dunkeln bin, eine Menge anderer Dinge, die für mich immer im Dunkeln bleiben werden, und obwohl ich weiß, dass wir uns mit enormer Geschwindigkeit entwickeln und weitergehen, wache ich nur mit einem unguten Gefühl auf und spüre, verstehe lediglich nicht, dass in den letzten Stunden eine Menge Zeug hinzugekommen sein muss, das mich wahnsinnig machen wird, weil es dazu beiträgt, immer weniger von den anderen zu kapieren. Sodass sie ALLE, einfach ALLE unberechenbar werden. Ich habe keine Zeit, um mich auszuruhen, stillzustehen, aufzuhören, aufzugeben. Dafür bin ich zu jung. Viele Nächte sind schlaflos, durchwacht, als warte ich auf etwas Gigantisches, das nach dem Abitur vor mir liegen wird – oder im Schreiben, bereits jetzt, verborgen ist. Konfuse Tage fließen dahin, an mir vorbei, kannesnichtbeschreiben, und zeitweilig sehe ich sogar in den Werbeanzeigen der Stadtwerke Botschaften, Warnungen. Aufrufe! Schnitt.

Exklusives Online-Hörspiel

Lesung der Originalfassung – Musik, Produktion, Regie: Benjamin Wittorf (2000 in Wuppertal)

Pressestimmen

“American Psycho und Wuppertal, Adorno und Jil Sander, Gucci und die Matrix: Staring at the Sun ist manchmal so schnell, daß einem dieses hektische Durcheinander gar nicht auffällt, und das macht Spaß. und manchmal, wenn das Buch so schnell ist, daß man gar nicht mehr mitkommt, dann macht es einen sogar melancholisch. (taz) “Eine junge Geschichte über das Leben an sich und die Liebe. Nachdenklich, sensibel, mit einem Hang zum Philosophischen.” (Brigitte Young Miss) “Das Leben als Experiment: voller schneller Cuts und Stimmungsumschwünge. Für alle die wissen, dass diese Zeiten Spuren hinterlassen. Sowie für eine Generation ohne Grenzen und Ziele. Lesen und darüber nachdenken, wieviele Affairen und Partys wir brauchen, um glücklich zu sein.” (Mitteldeutscher Rundfunk) “Puh, Luftholen nicht vergessen, so rasant und atemberaubend ist Jan Drees Roman […] Ein Sommerroman, der auch an regnerischen Wintertagen Spaß macht.” (Hamburger Morgenpost) “Nach der Lektüre spätestens muss dem Leser jedoch gewiss sein, dass es sich hierbei um einen durchaus außergewöhnlichen Roman handelt.” (The Gap) “Mit seinem 1999 erschienen Roman “Staring at the sun” wurde die Öffentlichkeit auf den jungen Literaten aufmerksam und feierte Jan Drees als die intellektuelle Antwort auf die Welle der deutschen Popliteratur.” (Midad) “Der 20-jährige Gymnasiast und Leitathlet Jan Drees rast auch als Schriftsteller von Erfolg zu Erfolg.” (Max) ”Anrührend.” (rga) “Jung, spannend, schräg.” (Prinz) Große Literatur, nicht kleinzukriegen“ (Stutz Mainz) “Die Realität ist ein schnelles Auto, das an Dennis vorbeirauscht, ohne ihn mitfahren zu lassen.” (Abendzeitung) ”Für den Läufer läuft’s auch beim Schreiben.” (Kicker) “Auf der Überholspur.” (BILD) “Authentisch, ehrlich und mit der gymnasialen Endzeitstimmung, die Jugendliche so lieben.” (IQ Style) “Kurzweilige Lektüre.” (raveline) ”Mit Vollgas durchs Leben.” (Mädchen) “Locker geschriebene Teenagerstory” (20 Minuten) “Wie er jetzt in roten Turnschuhen vor der kahlen Betonwand steht, mal linkisch tänzelnd, mal konzentriert lesend, kämpft er tapfer mit jeder sich überschlagenden Handlung gegen das fest gefügte Bild des ‘Popliteraten’, will schneller sein als sein Ruf, überzeugt, dass das oberflächlich Verbindende nur wenige Einendes hat.” (F.A.Z.) “Jan Drees ist 22 und hat mit seinem ersten Roman ‘Staring at the sun seiner Generation ein kritisches Denkmal gesetzt.” (Darmstädter Echo) “Jan Drees hat nicht nur gute Bücher im Regal, er schreibt sie auch.” (Allegra) 

Ausgaben

„Staring at the Sun – Originalausgabe“ 2000: Alibaba-Verlag, Frankfurt, 112 Seiten

„Staring at the Sun – überarbeitete Neuauflage“ 2001: Diana-Verlag, München, 142 Seiten

„Staring at the Sun – Remixversion“ 2007: Eichborn-Verlag, Frankfurt, 110 Seiten

Lesungen

Februar 2000 Wuppertal (Galerie Epikur) Herbst 2000 Dormagen (Stadtbibliothek) Juni 2001 Wuppertal (Stadthalle) März 2001 Köln (1LIVE Klubbing) 14.09.2007 Kiel (Weltruf), 15.09.2007 Hamburg (Haus 73) 23.09.2007 Wuppertal (Beatz & Kekse) 28.09.2007 Berlin (Cassiopeia) 07.10.2007 Bochum (Finegefühl)

Fotocredit

Gernot Blank

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