Shantel

Jugoslawische Hühnen, die einer jungen Damen Getränke ausgaben, klatschende Röckchentänzerinnen auf dem Parkett und „Schwarzer Kater, weiße Katze“-Bilder, bleiben vom DJ-Auftritt Shantels, Donnerstagnacht im Café Ada.

„Warum erfreut sich die Musik der Zigeuner bei Shantel, seinem Publikum und überhaupt so großer Beliebtheit?“ liest man im Beiheft  der aktuellen Mix-CD „Bucovina Club Vol. 2“. Wer den Abend erlebt hat, kann die Frage wenigstens beinahe beantworten. Der Gypsy-Sound, die südosteuropäische Verbindung von Feierlust und Melancholie, der weißhemdige DJ, in der rechten Ecke, nur mit zwei roten Punktstrahlern beleuchtet, wie er gelassen CDs in den Spieler legt, mit den Besuchern schwatzt und schwätzt und „sein Ding“ macht, dieser Mix schaffte einen Kosmos.

Man betritt das Café, kennt es natürlich, von Reggae-Veranstaltungen, da ist es meistens stickig, auch von Tango-Treffen, sehr gediegen, Free-Jazz wurde hier gespielt, man saß in Reihe. Jetzt ist aber Shantel da. Er baut durch Musik und das dadurch angelockte, schwarzgelockte, schöne Publikum den Ada-Raum um. Man ist verwirrt, sucht Zuordnungen. Man denkt vielleicht an Bilder aus Emir-Kosturica-Filmen wie eben „Schwarzer Kater, weiße Katze“.

Anderes Assoziation: Geigen, Klarinetten, ein bisschen Klezmer spielt auch Wladimir Kaminer in der „Russendisko“. Da lacht Shantel. „Das ist was ganz anderes“, sagt er, „Kaminer ist Autor und spielt Rock. Ich weiß, dass viele Menschen alles, was östlich von Berlin liegt, in einen Topf werfen.“ Man hört also wieder hin. Hört auch die CD, in der plötzlich elektronische Clubbeats durchschimmern. Der Kopf schwirrt. Bilderstürme beginnen. Melancholie stellt sich ein. Man ist ratlos. Als Erinnerung dieses Erlebnisses bleibt ein Zitat aus dem CD-Lied „Da Zna Zora“: „Tag und Nacht trinke ich wegen dir und in der Dämmerung weine ich bitterlich.“

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