Schrei die Wand an!

Anlässlich des 100. Geburtstages von Komponist John Cage (1912-1992) veranstaltet Darmstadt die Ausstellung „A House Full of Music“. Wie stehen Kunst und Musik im 20. Jahrhundert in Verbindung? Was haben Dada, Jacques Derrida und der Gitarren zerstörende The Who-Frontmann Pete Townshend gemeinsam? Wie funktioniert Musik, die ausdrücklich geschaffen wurde, damit man ihr nicht zuhört, und wie kommt man von dort aus zu Brian Enos „Music for Airports“? Was verbindet Robert Rauschenbergs White Paintings mit dem komplett stillen John Cage-Stück „4’33“? Die Ausstellung verspricht großartig zu werden – die Texte im Ausstellungskatalog sind oft nah an der Unverständlichkeit gebaut.

Es ist klassisches Kunstscrabbeln der Art: „Speichern, collagieren, schweigen, rechnen, würfeln, denken, möblieren, wiederholen, spielen – neun von zwölf Strategien der Musik und Kunst werden bereits explizit im Œuvre von Satie und Duchamp realisiert.“ Das Wort „realisiert“ gehört zum Lieblingsvokabular vieler Kunstüberhöhungstexte. Die Abbildungen lohnen aber. Wer weiß schon, wie eine „Box with the Sound of its Own Making“ aussieht, eine „Olivetti-Yamaha-Grundig Combo aus Schreibmaschine, Orgel, Kassettenrekorder, Lampe, Polaroidkamera und Büroklammer“ und Yoko Onos „Voice Piece für Soprano“ von 1961? Letzteres ist übrigens ganz einfach: „Scream. 1. against the wind. 2. against the wall. 3. aginst the sky“. Schrei‘ die Wand an.

Das Buch (16,80 EUR) mit CD „Kunst zum Hören: A House Full of Music – Strategien in Musik und Kunst“ (Hrsg. Ralf Beil, Peter Kraut & Institut Mathildenhöhe Darmstadt) und der Ausstellungs-Katalog (49,80 EUR) erscheinen bei Hatje-Cantz.

Die Ausstellung „A House Full Of Music“ findet statt vom 13.05.–09.09.2012 auf der Mathildenhöhe Darmstadt. Di-So. 10–18:00 Uhr, Do. 10–21:00 Uhr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.