Rezension: Sternschnuppen in der Stadt

Ex-Model Beate Teresa Hanika beschreibt in ihrem zweiten Roman „Erzähl mir von der Liebe“, wie Mädchen mit Hoffnungen im Scheinwerferbusiness untergehen.

Sternschnuppen sieht man nur im Dorf, wo die Nächte dunkel sind – doch die hübsche Leni will fort vom Hof ihrer Eltern und ins schillernde Berlin, das so hell ist, dass man eben keine Sternschnuppen dort sieht, in der Nacht. Leni möchte unbedingt Model sein. Eine namhafte Agentur hat sie angenommen, die Fahrt bezahlt und ihr eine WG-Bleibe besorgt. Jetzt wohnt Leni im Apartment eines Fulltime-Kiffers, zusammen mit Kennedy, einer romantischen Bulgarin, die „Kennedy“ gerufen wird, weil sie wie die Gattin des Ex-Präsidenten aussieht. Und Lenis neuerdings beste Freundin ist mit von der Partie: Hannah. – „Ich mag Hannah, und das heißt viel, denn normalerweise mag man die anderen Mädchen nicht. Man wohnt mit ihnen, geht zusammen auf Castings, und abends teilt man sich eine Packung Spaghetti Bolognese.“

Andreas LabesHinter diesen zunächst sehr nüchtern aussehenden Sätzen steckt eine Menge Leid. – Denn das Modelbusiness steht eben nicht nur für Rampenlicht und Applaus – unzählige Magazine haben längst darüber berichtet – das Modelbusiness beinhaltet automatisch Missgunst und Neid, harte Arbeit, Anbiederung bei Castings, auf Parties, gegenüber fetten, narzisstischen Idioten.

Außerdem bedeutet es: Hungern, Fressattacken hin- oder her. Da muss „eine Packung Spaghetti Bolognese“ für drei, vier Model-WG-Bewohnerinnen reichen.“ Eingerahmt in die Schilderung eines wendungsreichen Partyabends, erzählt dieser kleine Roman den ersehnten Aufstieg, die Enttäuschung, das beinahe glücklich zu nennende Ende einer Träumerin: „Meine Mutter war nie weg von daheim. Jetzt ist sie fünfzig und dick.“ (Foto: Andreas Labes)

Natürlich hofft man als Newcomerin auf Paris und Mailand, auf die großen Schauen, auf Elle-Cover-Shootings und Limousinenservices, auf charmante Fotografen, die wie Schauspieler Adriano Celentano aussehen. Doch stattdessen kommen nur Katalogjobs rein und irgendwann ist man quasi „raus“ – trotz Naturjoghurt-Diäten und gefakter Sedkarten. Irgendwann hat sich auch der Schatz vom Dorf eine andere Liebe gesucht: „Kein Mädchen. Kein Model, sondern eine richtige Frau. Mit Brüsten und Hüften und Cellulite an den Oberschenkeln. So wie man normalerweise aussieht, wenn man über dreißig ist und nicht von talentierten Mediendesignern retuschiert wird, bis alles nur noch glatt und prall aussieht.“ Beate Teresa Hanika kennt das harte Geschäft aus dem „eff-eff“. Aber sie weiss auch, wie man mit Würde aussteigen kann. „Erzähl mir von der Liebe“ ist ihr Beweis.

Beate Teresa Hanika: „Erzähl mir von der Liebe“, Fischer, 162 Seiten, 14,95 Euro

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