Rezension: „Fuchs 8“

Er ist doch ein Rudeltier: George Saunders begeistert mit seiner Umweltfabel „Fuchs 8“, die im lakonisch-humorvollen Duktus von Zerstörung und plötzlichem Gemeinschaftssinn, von Verantwortungsbewusstsein und der Trauer des Tiers in Zeiten schwindender Ressourcen erzählt.

„Liebe Leserinnen und Leser: Zuers möchte ich sagen, Entschuldigung für alle Wörter, di ich falsch schreibe. Weil ich bin ein Fuks!“ – Derart hinreißend beginnt die kleine Fabel von George Saunders, dem Gewinner des Man Booker Prize 2017. Ursprünglich in der britischen Tageszeitung „The Guardian“ erschienen, kommt „Fuchs 8“ nun in deutscher Übersetzung des mehrfach ausgezeichneten Frank Heibert, mit Illustrationen der New Yorkerin Chelsea Cardinal, die zunächst beim Magazin „GQ“ angestellt war. Eben dort hat sie sich zu einer der interessantesten Grafikdesignerinnen unserer Zeit entwickelt. Auf ihrer Internetseite bezeichnet Cardinal „Fuchs 8“ als Kinderbuch für Erwachsene (hier).

Saunders Geschichte erzählt von Fuchs 8, der sich, anders als sein Freud „Fuks 7“ oder der hochnäsige Fuchs „Fuks 41“, die Sprache der Menschen abgehört hat. Nun verfasst er seinen ersten – als Appell an uns, die Leserinnen und Leser. Sie sollen zuhören, in unseren Worten möchte Fuchs 8 seine Botschaft vermitteln. Wir kennen dieses Phänomen von zig Demonstrationen unserer Gegenwart. Plakate und Spruchbänder werden in mehreren Sprachen verfasst, vornehmlich der Englischen. So las man vor wenigen Tagen den Slogan: „Neoliberalism was born in Chile and will die in Chile“, zu Deutsch: „Der Neoliberalismus wurde in Chile geboren und wir in Chile sterben“. Die dortige Amtssprache, zur Erinnerung, ist Spanisch.

Beren sin nicht lib!

„Fuchs 8“ beginnt mit allgemeinen Beobachtungen über das Wesen und die Weisen der menschlichen Spezies, die sich nach Meinung des tierischen Erzählers unwahre Geschichten über Füchse, Hühner, Eulen und Bären erzählt. Konsequent behält Saunders das „menschische“ Sprachkonstrukt bei, erinnert hier beispielsweise an Ze do Rock oder den frühen Feridun Zaimoglu, wenn er schreibt:

„Weil ich hab Geschichten über Beren gehört wo die Beren immer schlafen und nett sind und lib. Glaubt mir, als einer der schon off von Beren gekajt wurde kann ich oich sagen, kein ber der mich je gejakt hat hat da (1) geschlafen oder war (2) nett oder (3) lib. Ir solltet mal die vilen nich netten Sachen hören die ein Ber in Berisch sagt wärend er ein jakt, wärend man gerade noch um ein Har in den Bau schlüft und versucht, vor den anderen Füksen nich gleich loszuhoilen. Und von wegen Oilen? Oilen wären waise? Das ich nich lache.“

Alles gute Fükse

Nichts zu lachen haben die Tiere, als ihr Habitat gerodet, und anstelle des Waldes ein Einkaufszentrum errichtet wird: „Balt waren merere von unsern ser alten Füksen krank und tot, weil: kein Fressen, Diese toten Froinde waren: Fuks 24, Fuks 10, Fuks 111. Alles gute Fükse.“

Fuchs 8 organisiert den Widerstand, und bedient sich zahlreicher Mittel des zivilen Ungehorsams. Er dringt in die menschliche Zivilisation ein – auch das ein Phänomen unserer Gegenwart. Zahlreich sind die Berichte über hungrige Eisbären in sibirischen oder grönländischen Städten, über (lebende!) Wildschweine in Supermärkten oder Löwen in Kenias Hauptstadt Nairobi. Fuchs 8 greift LKWs an, und er macht sich auf die Suche nach Verbündeten; die er am Ende finden wird. Es gibt ein Happy End, wenngleich keines für die Leserinnen und Leser, denn:

„Wollt ir Mänschen mal einen guten Rad von ein Fuks, der nur ein Fuks is? Weil ich weis jezz, ir Männschen habt oire Geschichten gern mit ein Heppi Ent? Wenn ir wollt, das oire Geschichten ein Heppi Ent haben, seit einfach mal ein bisschen netter. Ich wate auf oire Antwort. Fuks 8.“

George Saunders: „Fuchs 8“, mit Illustrationen von Chelsea Cardinal, aus dem amerikanischen Englisch von Frank Heribert, Luchterhand, München, 52 Seiten, 12 Euro, empfohlen ab 10 Jahre.

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