Linkradar: #BloggerfuerFluechtlinge, Max Frisch, Colgate-Konsum

Heiß waren die vergangenen Tage – wer da nicht draußen las war selber Schuld – das Beitragsbild zeigt einen Insektenbesuch während meiner Dissertationslektüre. Kostenlos durften bereits im Juni LeserInnen aus dem Rumänischen Cluj-Napoca mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. „Ein Ticket hatte niemand und niemand machte sich Sorgen. (…) – vorausgesetzt, er las währenddessen ein Buch.“ Dann war die Fahrt kostenlos. Wer sich dagegen lieber vorlesen lässt, der konnte in den vergangenen Tagen zum Erlanger Poetenfest reisen – wie am besten Lesungen zu organisieren sind zeigt die Seite Mainwunder eben hier mit 7 guten Tipps.

11221450_853625854686913_5530155575078894542_n#BloggerfuerFlüchtlinge: Über dieses Hashtag, einer Initiative von Nico LummaStevan PaulKarla Paul und Paul Huizing. sind bis lang über 85.000 Euro zusammengekommen. Der Carlsen Verlag spendet Geld und Bücher für die Flüchtlingshilfe. Außerdem bekommt jeder Mitarbeiter drei bezahlte Arbeitsstunden frei, damit er sich in Hamburg bei der Flüchtlingshilfe engagieren kann und Langenscheidt stellt sein Arabisch-Wörterbuch kostenlos zur Verfügung. (Bild: Laura Sonnenfeld)

Max_Frisch_(Portrait)Postkolonial zum Zweiten: Dass die Flüchtlingskatastrophe viel mit dem Kolonialismus Europas zu tun hat dürfte jetzt Allgemeinbildung sein. „Zu uns“ kommen die Opfer unseres eigenen Wohlstandes; und die postkoloniale Betrachtung fragt unter anderem nach weiter herrschenden Kulturkonflikten zwischen Kolonisierten und Kolonialmacht. Dass diese Disziplin manchmal übers Ziel hinausschießt zeigt dieser brillante literaturkritik.de-Text von Klaus Müller-Salget über etliche (misslungene) Veröffentlichungen

170px-Max_Frisch,_Stiller_1954anlässlich des 100. Geburtstages von Max Frisch, dem 1991 verstorbenen Schweizer Autor von Werken wie ‚Homo Faber‘, ‚Stiller‘ und ‚Mein Name sei Gantenbein‚. „Im I. Kapitel geht es zunächst um Anatol Ludwig Stiller und seine Wunschfigur James Larkin White. Dass Stiller den Namen White auch seiner ‚whiteness‘ wegen gewählt habe, ist originell, aber wenig überzeugend. Die ‚gängige‘ Deutung dieser im Grunde leeren Identität als ‚weißes Blatt‘, ‚tabula rasa‘ (vgl. R 30f.) ist wohl doch zutreffender.“ (Foto: Wikipedia)

1330_01_Kopetzki_Risiko.inddAbgeschrieben: Bereits im Februar hatte Tex Rubinowitz mit Plagiatsvorwürfen zu kämpfen. Doch „auch in seinem Buch ‚Irma‘, so der Befund, habe sich Rubinowitz in ganzen Passagen bei Wikipedia bedient, und zwar vom gemeinen Haussperling über den Iron-Maiden Sänger Bruce Dickinson bis hin zu den Najaden.“ Die „Innere Simone“ erinnert, dass die Sache bei Steffen Kopetzkys „Risiko“ nicht anders aussieht: „Auffallend fand ich, wie ausführlich er sich bei Oskar Niedermayers Expeditionsbericht von 1925 bedient hat, und zwar ohne dass der Text – meiner Meinung nach – beim Umformulieren sehr gewonnen hätte.“ Treffend war der FB-Kommentar von David Hugendick (Zeit Online), der fragte, wie viele Bücher eigentlich im Netz bereits abgeschrieben worden sind.

Die schönsten Buchhandlungen: Abgeschrieben oder nicht – im Glücksfall kauft man das literarische Produkt im örtlichen Fachgeschäft. Die 108 schönsten Buchhandlungen bekommen nun einen Preis. Das Börsenblatt berichtet: „Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat im Februar dieses Jahres den Deutschen Buchhandlungspreis ausgelobt. Unabhängige und inhabergeführte Buchhandlungen mit einem Jahresumsatz unter der Millionengrenze konnten sich für diese Auszeichnung bewerben. Die Jury hat unter den 614 eingereichten Bewerbungen diese 108 Buchhandlungen für die erste Preisverleihung nominiert. In welcher Kategorie die Buchhandlungen ausgezeichnet werden, bleibt bis September geheim.“ Meine Heimatstadt Wuppertal ist nicht vertreten. (Das unten gezeigte Bild ist von Anakoluth Berlin.)

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In eigener Sache: In der aktuellen Ausgabe des Rolling Stone gibt es meine Reportage über die aktuelle Theaterlandschaft (hier und hier und hier im Blog), ebenso eine Sache zum neuen Buch von Philipp Tingler. Im Freitag und hier im Blog gibt es Texte zu Hartmut Lange (mehr gibt es bald im Diogenes-Blog). Für diese Woche ankündigen kann ich einen Verriss (u.a. für WDR 5) – ich habe mich durch das neue Buch von Katharina Hartwell gequält.

Pausenvideo

Im Netz konnte ich zwar keine Belege ausfindig machen – aber ich bin mir sicher, bereits mehr als eine IKEA-Katalogrezension gelesen zu haben; daher stimmt nicht ganz, dass sich bislang kein Kritiker darum gekümmert hat, wie es Hellmuth Karasek in diesem Aufsehen erregenden Video behauptet. Sehenswert – zwischen Crash, Fremdscham und Erheiterung.

Konsuminventur

hqdefaultHalb leer: „Der Hersteller der Dentagard Zahncreme hat die Inhaltsmenge der Tube von 100 ml auf 75 ml reduziert, fordert aber weiterhin den bisherigen Preis. Als kundenorientiertes Unternehmen möchten wir Ihnen diese Preiserhöhung nicht weitergeben. Daher ist Dentagard aktuell nicht verfügbar. Als Alternative empfehlen wir Ihnen die Zahncreme DONTODENT Kräuter…“ Der dm-Markt polarisiert mit einem Hinweis, der aktuell in den Regalen zu finden ist und die früher (1980er) stark beworbene Marke an den Pranger stellt. Mehr dazu hier bei der Wirtschaftswoche.

Jan Drees

Ich bin Redakteur im Literaturressort des Deutschlandfunks und moderiere den „Büchermarkt“.

Im Jahr 2000 erschien mein Debütroman „Staring at the Sun“, 2007 folgte ein überarbeiteter Remix des Buchs. Im Jahr zuvor veröffentlichte der Eichborn-Verlag „Letzte Tage, jetzt“ als Roman und Hörbuch (eingelesen von Mirjam Weichselbraun). Es folgten mehrere Club-Lesetouren (mit DJ Christian Vorbau). 2011 erschien das illustrierte Sachbuch „Kassettendeck: Soundtrack einer Generation“, 2019 der Roman „Sandbergs Liebe“ bei Secession. Ich werde vertreten von der Agentur Marcel Hartges in München.

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