Klaffende Wunden

Mit „Farbwelten“ stellt der Wuppertaler Künstler Christian von Grumbkow zum zehnten Mal in der Galerie Epikur aus.

Bereits vor der Vernissage am vergangenen Freitag verkaufte Galerist H.P. Nacke einen großen Teil von Grumbkows Bildern. Vielleicht liegt es am Konzept des Künstlers „Ich habe keines“, sagt von Grumbkow und überlässt Interpretationen souverän dem Betrachter. Einer bemerkte: „Der Künstler ist hier an den Grenzen der Schönheit angekommen.“ Durchaus lässt sich der dekorative Charakter hervorheben, insbesondere die zur Ausstellung angefertigte Edition „Farbwelt Rot“, mehrere 20×30 cm kleine Ölarbeiten auf Holz, die streckenweise wie verwittert wirken, dann an klaffende Wunden erinnern: Wenn die Farbe dick hochgezogen mit starker Welle und weißem Kamm eine schwache Fläche aufzureißen scheint.

Dem gegenüber stehen – beispielsweise – ruhige, wesentlich größere Öl-Leinwandarbeiten. An der obersten Schicht gibt es immer wieder schwarze und graue Verläufe, dahinter rote, gelbe, grüne Schimmer, wie sie in einer nächtlichen Großwasserpfütze zu finden sind. Und gerade dies lässt sie nicht, wie durch die Beschreibung erwartet, düster, sondern melancholisch wirken. „Das Wasser ist ein Motiv meines Werks“, sagt von Grumbkow und fügt relativierend hinzu: „Eigentlich bin ich einfach ein Künstler, der Neues ausloten möchte.“

Dann steht er, mit einer Hand in der grauen Anzughose, ein Rotweinglas mit der anderen umfassend, vergeistigt blickend in dem erleuchteten Epikur-Raum, während der kalte Abend an die Fenster zu hauchen scheint. Tatsächlich beschlägt die Galerie von innen und Menschen stehen möglicherweise vor grauen Arbeiten und sehen in diesen einen nacherzählten Strandspaziergang, während das Bild zugleich an die nüchterne Betonarchitektur der Spätneunziger oder teure Hochglanzbroschüren eines Automobilbauers erinnern darf. Vermutlich liegt in dieser polyperspektivischen Interpretationsmöglichkeit der Kunst von Grumbkows deren tatsächliche Stärke. Es lohnt sich, ihr nachforschen zu wollen. Die Ausstellung in der Galerie Epikur, Friedrich-Engels-Allee 165 läuft bis zum 26. Januar 2002 und ist dienstags bis freitags von 14–19 Uhr geöffnet, samstags von 11-15 Uhr.

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