Rezension: Counter-Culture

Vielleicht fing alles an mit Norman Mailers Essay „The white Negro“, mit Bebop-Hero Thelonious Monk und Beat-Poet William S. Burroughs. Vielleicht startete der „Hipster“ seine Karriere irgendwann in den 50er Jahren, als schwarze Jazzer zum Vorbild weißer Autoren hochkamen. Oder muss man bei Charles Baudelaire im 19. Jahrhundert losgehen?

„What was the hipster?“ Unter diesem provokanten Titel fand 2009 eine Tagung des amerikanischen „n+1“-Magazins statt. Mit dabei waren intellektuelle Stars wie Mark Greif (durch seinen „Occupy!“-Band mal wieder gehypted), Patrice Evans (über „Hip-Hop und Hipsterismus“) oder auch Jace Clayton mit einem Bericht über „Die Vampire von Lima“.

Aus den dort entstandenen amerikanischen und den extra zu diesem Anlass in Deutschland verfassten Essays kompilierten deutsche Autoren wie Tobias Rapp („Lost and Sound: Berlin, Techno und der Easyjetset“) und Thomas Meinecke (der bereits 2004 in seinem Roman „Musik“ über den Hipster-Film „Black & White“ geschrieben hat) eine transatlantische Diskussion über eines der interessantesten Phänomene der vergangenen Dekade.

Auf gut 200 Seiten gibt es Gedanken zur Feinripp- und Truckerkappenmode, Texte über The Flaming Lips, Belle & Sebastian, Berlin Mitte und die Faszination betont lässiger Poloroid-Posen. Warum ist der Hipster ein Feindbild? Welcher Zusammenhang existiert zwischen Ali G. und dem Vice-Magazine? Und was macht Hugo Boss am Hackeschen Markt?

Fragen über Fragen, dazu eine Feststellung, die Autor Mark Greif während der Podiums-Diskussion mit Diedrich Diederichsen in Köln eingeworfen hat: „Man muss 2012 Musik von 1967 produzieren, weil es viel zu wenig Musik gibt, die wie 1967 klingt – während der Konsument doch genau diese Musik liebt.“ Facettenreiche Studie, die man liest, während „Born To Die“ von Lana Del Ray läuft.

Mark Greif: „Hipster: Eine transatlantische Diskussion“, Suhrkamp, 208 Seiten, 18 Euro

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