King Rocko

Rocko Schamoni kann kokettierend bemerken, er käme aus dem piefigen Schleswig-Holstein und dennoch die große, gefährliche Welt im Zakk versprechen. Donnerstagabend las Schamoni aus seinem aktuellen Autobiographische-Geschichten-Band „Dorfpunks“.

Eine Elterngeneration, die Generation des Punks, die Stalingrad, Nachkriegszeit und 68er-Revolution ebenfalls nur aus Geschichten kennt, bemüht sich nun, ein bisschen Skandal ins eigene Leben zu bekommen. Was dann so wirkt, wie ein beschriebenes Anitfa-Treffen in Berlin, wo Schamoni und Freunde vor 25 Jahren warteten, auf die versprochene Nazi-Demonstration. Was für ein Glück, wenn dann wenigstens drei braune Gesinnungsgenossen erscheinen.

Rocko Schamoni, der seit 1988 sieben Alben veröffentlicht, der bei Viva2 moderiert und den Golden Pudel Klub in Hamburg aufgezogen hat, der kann sich getrost neben eine Stehlampe auf die Bühne setzen, leicht uninspiriert lesen und die Halle dennoch zum Ausverkauf bringen. Nur wundern, das kann er sich nicht, wenn so wenige Punks erscheinen, zum Nostalgietreffen, damit man sich austauscht über alte Zeiten. Warum?

Ist der Herr im schwarzen Anzug, der weiterhin Bierflaschen mit dem Feuerzeug öffnet, über Dosenstechen berichten kann und selbstironisch das selbst Geschriebene kommentiert, etwa kein richtiger Punk? Ist er, wenigstens in den Augen Düsseldorfs, nur ein „Dorfpunk“? In Schamonis Geschichten über England, Schnorren, Ausbruchversuche, über Losleben und die Gefahr suchen, ist die Zeit scheinbar stehen geblieben. Im Zakk ist aber nicht 1978, sondern März 2005.

Da trifft das Erlebte auf die Gelebten, trifft der Ex-Punk im Sakko auf andere Ex-Punks im Sakko. Und er trifft auf ihre Kinder und ihre Kinder sind keine Punks mehr, sondern Germanistikstudentinnen mit H&M-Schal, die verzweifelt aus ihrem Kleiderschrank ein letztes bisschen Punk herausgeholt haben. Der King Rocko Schamoni beschreibt in „Dorfpunk“ selbst, dass alles, was „in“ ist, irgendwann „out“ sein wird.

Wenn er dann kommentiert, was niedergeschrieben werden wollte, in „Dorfpunks“, dann ahnt man, dass Selbstironie vielleicht nur Angst ist, Angst vor der Melancholie, die auf Ex-Ins und Inzwischen-Outs fällt. Rocko Schamoni ist, das muss nichts Schlimmes sein, gesetzter geworden. Aber das Buch „Dorfpunks“ tobt und tanzt Pogo. Das Spannungsverhältnis zwischen Autor und Paperbackband kann einen Donnerstagabend durchaus verschönern.

(Rocko Schamoni: „Dorfpunks“, Rowohlt, 210 Seiten, 11 Euro)

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