Rezension: Raus aus dem Spiel

Das neue Jahr beginnt fürchterlich für Werberin Daphne. Die 28-jährige verliert ihren Job, hat immer noch keinen Freund und muss sich anstrengen, um endlich die Kurve zu kriegen, denn: „Jetzt ist bald und nichts ist los“.

„Erstaunlich, was in 12 Monaten, in 52 Wochen, in 365 Tagen alles passieren konnte. Aus Handyverkäufern wurden Rockstars, aus Akademikerinnen Beach Babes, flutschige Typen bekamen ihr Leben auf die Reihe und ein ewiger Single wie ich konnte auf einigen Umwegen sogar die Liebe finden. Und einen tollen Job.“ Doch der Weg zum Happy End gestaltet sich schwierig in Katarina Fischers neuem St. Pauli-Roman „Jetzt ist bald und nichts ist los“. Die Hamburgerin erzählt aus einem Krisenjahr der entscheidungsunfreudigen Daphne. „Langsam, aber sicher sah ich aus wie eine langhaarige Version des Michelin­-Männchens“, wird ihre Heldin gleich zu Anfang feststellen. „Der Grund dafür war meine Faulheit. Ich verbrachte lieber jeden Morgen an die fünf Minuten damit, mir diverse Pullis übereinander anzuziehen und Strickjacken zuzuknöpfen, als mich einmal auf den beschwerlichen Weg zum Dachboden im sechsten Stock zu machen, um meinen Wintermantel zu holen.“

Sie kann sich nicht aufraffen. Seit acht Jahren arbeitet Daphne unglücklich als Teamassistentin bei Markwardt & Söhne, „der dümmsten Werbeagentur der Welt“. Doch als ihr aus heiterem Himmel gekündigt wird, fällt ihr kein Stein vom Herzen. Sie wird nervös und nistet sich mit dem Hund ihrer Mutter bei Richard und dessen Kifferkumpel ein. Denn allein sein will sie nicht. Eine Beziehung ist ihr allerdings auch zu anstrengend. So verbummelt die überforderte Endzwanzigerin ein Jahr. Zwischendurch erleidet der Hund ein Happening in der Lavahölle des Kiffers, ein anderer Kumpel sattelt auf Singer/Songwriter um. „Und mittendrin Tante Doris, Richards Großtante, die Schwester seiner Großmutter – ihr Gesicht zerfurcht von Falten – mit einem Hang zu starkem Make­up und Likör.“

51wPbXZMfRL._SY344_BO1,204,203,200_„Jetzt ist bald und nichts ist los“ fällt unter die Kategorie Beziehungskomödie und Katarina Fischer wird in Boulevardzeitungen als „Jungautorin“ vorgestellt. Dabei schreibt sie seit geraumer Zeit. Auf ihrer Homepage gibt es exklusiv Kurzgeschichten aus dem Winter 1999, einst verfasst als Weihnachtsgeschenk für drei Freunde. „Ich habe in meiner Kiste alter Werke gekramt“, verrät die Autorin und eröffnet ihre „Trilogie“ mit der blutigen Story „Die Standheizung“. „Der beste Freund eines Pendlers ist sein Auto, mit welchem er pendelt, zwischen seinem orangefarbenen, buchsbaumumwachsenen Haus, mit Frau und Kind und Hund darin, zu seiner Firma“, steht da. Die Geschichte hat bereits den leicht schwingenden Sound ihrer späteren Bücher und es spricht für den Humor der Hamburgerin (ist das nicht eigentlich ein Gegensatz? Hamburg und Humor?) dass sie unlektorierte Frühwerke ins Internet stellt. Sympathisch. Aber vergeben: Ihr Freund wohnt zehn Minuten von ihr entfernt.

Katarina Fischer: „Jetzt ist bald und nichts ist los“, Heyne, 292 Seiten, 8,99 Euro

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