Linkradar: Aus, aus, Ocelot ist aus

Es ist nicht die beste Woche für die Literatur gewesen: die Vorzeige-Buchhändler von Ocelot in Berlin werden ihr Geschäft im März endgültig schließen. Das Börsenblatt titelte. die „Leserevolution ist gescheitert„. Dazu passt beinahe die Nachricht, dass ausgerechnet Red Bull Bücher verlegen will, sich Literaturblogger und -journalisten gegenseitig zerfleischen und jetzt, kurz vor der Buchmesse in Leipzig das große Aufatmen schon deshalb stattfindet, weil wenigstens der über alle Zweifel erhabene Thomas von Steinaecker ein Erzählexperiment wagt. Das Beitragsbild zeigte zwei Tage lang Jan Brandt, mit einer Zeichnung aus seinem bald erscheinenden Buch „Tod in Turin“ – wurde aber ausgetauscht, weil der Verlag auf die Sperrfrist verwies.

UnknownRed Bull macht Bücher: Jedenfalls unter dem Namen Benevento, einem Tochterunternehmen des Energiedrinkherstellers. Das vermeldet Richard Kämmerlings im Feuilleton der Welt und berichtet, Editor-at-large würde Birgit Schmitz – was die Literaturbranche weniger in Unruhe bringen dürfte wie frühere Übernahmen Red Bulls im Fußball. Als Verlagsleiterin beim Berlin Verlag wurde die in der Hauptstadt glücklose Schmitz überraschend schnell vom Piper-Stammhaus abgelöst und durch Jurist und Schriftsteller Georg M. Oswald (hier und hier im LesenMitLinks-Blog) ersetzt. Ob es also irgendwann beim Benevento-Verlag heißen wird, „Red Bull verleiht Flügel“, bleibt abzuwarten.

RTEmagicC_Steinaecker_Text.jpgZwei Mädchen im Krieg: Mit diesem Essay, veröffentlicht im S.Fischer-Verlagsblog „Hundertvierzehn“ ruft Thomas von Steinaecker (hier und hier im Blog) zu einem Erzählexperiment auf. In den nächsten drei Wochen begeben sich neun Autorinnen und Autoren in ein digitales Labor: In jeder Woche entstehen drei Texte, die von ihnen weiter bearbeitet werden können, bis die Kapitel zum Beginn der nächsten Woche geschlossen werden. Gleichzeitig kann der Entstehungsprozess der Texte von allen Autorinnen und Autoren über die Kommentarspalte begleitet werden. Das Erzählexperiment wird zusätzlich noch von Kathrin Röggla kommentiert. Seit dem 16.2. gibt es erste Texte.

IMG_5962Bücherbloggen und reich werden (1): In Philea’s Blog wurde kürzlich mit diesem bemerkenswerten Satz diskutiert, ob mit Bücherblogs Geld verdient werden kann: „Je qualifizierter die Beiträge sind, je höher die Reichweite eines Blogs ist, umso höher ist der Wert des Beitrags für den Verlag. So wäre es doch fair, wenn die Verlage diese Werbung für sich, ihre Bücher und ihre Autorinnen und Autoren bezahlen.“ Da hat jemand nicht verstanden, was Journalismus bedeutet – beispielsweise, sich nicht von jenen bezahlen zu lassen, über die man berichtet. Diese Praxis mag bei Modeblogs und angeblich auch in manchen Ressorts der Süddeutschen Zeitung üblich sein, ist es aber nicht unter „echten“  Rezensenten.

haareab12-292x300Bücherbloggen und reich werden (2): Doch was Journalismus bedeutet hat diese Watson-Bloggerin vor wenigen Tagen schon nicht kapiert, worauf Stefan Mesch freundlich bei FB aufmerksam machte. Ihr ungeheuerlicher Satz: „Blogger sind unbeliebt, weil sie den etablierten Journalisten Konkurrenz machen. Blogger sind unbeliebt, weil sie keinen doofen Chef vor sich haben und tun und lassen können, was sie wollen und dadurch viel mutiger acten, als um ihre Stelle zitternde Journis.“ Eine unaufgeregte Antwort gibt es nun hier auf literaturtourismus.net von der gelernten Buchhändlerin und jetzigen Kulturwissenschaftsstudentin Sophie Weigand (Bild).

Konsuminventur

UnknownAnders Geld einsacken: Das denkt sich Antiquar Michael Plietzsch aus Freiburg, der einen Aufschlag von satten 20 Prozent von allen Schweizern verlagt, die bei ihm Bücher oder Gemälde kaufen. Seine Aktion richte sich gegen die Gier, die der starke Franken auslöse, sagte Plietzsch dem stern. „Ich möchte niemanden im Laden haben, der nur aufgrund von Währungsdisparitäten Kunstgegenstände kauft.“ Seine Bücher und Fotografien seien keine Ramschware, sondern besäßen auch einen hohen immateriellen Wert. Vielleicht sollte Ocelot einfach nach Freiburg ziehen? Dort scheint man sich jedenfalls sogar den Undienst am Kunden leisten zu können. Ozelot würde es allen Konkurrenten zeigen.

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