Iphigenie in Prosafassung

Das Rex-Theater bietet mit „Iphigenie auf Tauris“ Höhepunkt-Wertes zum Jahresende. Petra Koßmann, im Tal als „Fräulein Else“ bereits umfeiert, gibt die Iphigenie in der raren Prosa-Fassung, jener ersten Version, die Goethe der wesentlich bekannteren Versfassung 1779 voranschickte.

Stefan Rehberg, der bereits 1982 den Pylades in Zwickau spielte, avanciert auf der Rex-Bühne zum männlichen Prinzip schlechthin, indem er alle weiteren Rollen verkörpert. Regisseur Dieter Reible, der das erste Konzept zu dieser ungewöhnlichen, so noch nie gespielten Inszenierung entwickelte, hat das Steuer an Assistentin Momo Kell übergeben. Sie übernahm einst stellvertretend die Proben, entwickelte in dieser Zeit jedoch eine persönliche Sprache, deren Artikulation Reible nicht im Wege stehen wollte.

„Er hat uns sein Kind in die Hand gegeben“, sagt Kell, die wie alle Beteiligten von „einer großen Geste“ spricht. Denn Reible ist nicht im Streit gegangen, wird auch bei der Premiere am 18. Dezember zugegen sein, um das humanistische Goethe-Stück zu verfolgen. Die beispielhaft klassische Geschichte, anschließend an Euripides „Iphigenie bei den Taurern“, spielt im Hain, vor dem Tempel der Göttin Diana. Diese rette Iphigenie einst vor dem Todesschicksal.

Im Troja-Feldzug sollte die junge Frau nämlich auf der Insel Aulis geopfert werden, um den Schiffen ihres Vaters günstigen Wind zu verschaffen. Doch Diana brachte Iphigenie zu den Taureren, wo sie, als Priesterin, den Brauch abschaffte, jeden Fremden auf einem Altar zu opfern. Goethe erzählt vor diesem Hintergrund, wie die Iphigenie später unschuldig in Schuld gerät, als sie König Thoas die Ehe verweigert, woraufhin dieser den Todesbrauch in erpresserischer Weise erneut einführt. Dieser soll sogleich an zwei Gestrandeten durch die Hand Iphigenies ausgeführt werden. Die Gestrandeten sind jedoch Iphigenies Bruder Orest und dessen Freund Pylades. Bereits in den Proben zerriss man, dank Koßmanns standfestem, sicherem Spiel, als Zuschauer gleichsam Iphigenies, die mit größtmöglicher Ehre der drohenden Schuld zu entkommen sucht. (Bild: Wikipedia)

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