Rezension: Njorp!

Onno (53) ist faul wie der Dude aus „The Big Lebowski“, Reality-Soap-Gucker und Mitglied einer Pingpong-Truppe, die sich in der Turnhalle des „Günther Jauch Gymnasiums“ in Hamburg Eppendorf trifft.

„In einer Gesellschaft, die nach Leistung bezahlte, war er eigentlich ein Fall für die Organbank.“ Als das Finanzamt eine Nachzahlung androht, wird Onno kurzerhand Privatdetektiv: „Auch wenn er am liebsten nur noch die Sopranos geguckt, auf das nächste Album der White Stripes und den jüngsten Roman jener Westamerikaner gewartet hätte, für die wir beide schwärmten.“

Auf das White Stripes-Album hätte er lange warten können. Die haben sich vor eine Jahr aufgelöst. Deshalb steht dem Auftrag, das untreue Flittchen eines windigen Popmusikers zu beschatten nichts im Weg. Onno ist sehr gemütlich und oft mehr damit beschäftigt, seinen Nikotinspiegel zu kalibrieren, statt den Job anständig abzureißen. Weshalb er mit seiner zugequarzten Schrottkarre auch direkt auffällt, als er von einem Polizisten während der Observation gebeten wird, die Papiere rauszurücken und überhaupt: Den Grund seines Aufenthalts im Edelviertel Hamburgs zu erklären. Was umso schwerer fällt, als klar wird, dass Onno auf seinem 35 Jahre alten Lappen ausschaut wie Massenmörder Charles Manson:

„Sie wohnen Stellingstraße 55?“ – „Njorp.“ – „Njorp. Das‘ in Hoheluft, richtig?“ – „Njorp…“ – „Njorp. Und dann fährt ihre Frau zum Frisör bis auf die Uhlenhorst. Mit Ihrem Auto. Mit Ihnen als Beifahrer.“ – „Nu hör’n Sie doch mal mit -, was reiten Sie denn dauernd – sagen sie“, unterbrach Onno sich endgültig, noch lange nicht verzweifelt oder so, nur aufrichtig interessiert: „Ist das verboten, was ich hier tue?“

Was dann kommt ist mehr als ein Krimi: ein Dialogtsunami, Gangsta-Rap (!Liiiebööö – der Same des Hasses“), Assoziationssturm („VORSICHT! IM WINTER NICHT GESTREUT! – Edding Zusatz: Wann denn?) und YouTube-Actionmitschnitt („Alstermonster! Amok-Huene! Real Splatter!“). Der „Irre vom Kiez“, dieser Hells Angels-Typ, um den es hier geht, der hat auf seinen Fäusten links und rechts zwei Worte stehen: ZACK und BUMM. Und das gilt für’s komplette Buch: ZACK und BUMM! Grandios.

Frank Schulz: „Onno Viets und der Irre vom Kiez“, Galiani, 366 Seiten, 19,99 Euro / Hörbuch, u.a. mit Harry Rowohlt, Rocko Schamoni, Sven Regener bei Roof Music

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.