Rezension: Blam! Blam! Und du bist tot!

Superman, Mona May, Phantom und die Fantastischen Vier bevölkern den  aufregenden Comicerzählband „Blam! Blam! Und du bist tot!“. (Das Beitragsbild ist von Christof Schürpf)

Es soll erwachsene Menschen geben, die im marineblauen Matrosenanzug zu Donaldistentreffen watscheln, Spidermans Seelenleben beim Tee sezieren oder Corto Maltese als privaten Schutzengel akzeptieren. Christian Grasser zeigt in 17 lesenswerten Geschichten, warum Comics  Kinderkram sein können; aber niemals Kinderkram sein müssen. Bei ihm ist der Zeichenstift ein Zauberstab, der Asterix und Obelix grausame Rache an ihrem Schöpfer nehmen lässt oder Goofy und Batman im Drehbuchskript zusammenbringt. Wer an Thomas D, Smudo oder And.Ypsilon anstatt an eine Marvel-Comicreihe denkt, wenn die Fantastischen Vier auftauchen, der ist eigentlich schon raus aus dem Spiel, denn nahezu jede Figur kann irgendeiner Zeichengeschichte zugeordnet werden.

Man versteht das Buch auch ohne Hintergrundwissen, aber es macht mehr Spaß, wenn die Anspielungen klar sind. Wer „Blam! Blam! Und du bist tot!“ an einem Nachmittag durch-blättert, erinnert sich vielleicht an Zappingstunden vorm Fernseher. Sehr oft wirkt diese lautmalerische Compila-tion, die flux in die Handlungen einsteigt und ebenso abrupt weiterspringt, an wirres Hin- und Herschalten. Rateshows stehen neben Dialogen zwischen Comicfans, dann wechselt das Bild ins Schwarzweiße und die ungemütliche Lehrerin Huniker reißt dem kleinen Jungen das „Komik“-Heft aus der Hand, danach gibt es einen Pseudo-Wissenschaftsaufsatz, bevor man live dabei ist, wenn ein Mädchen über den Ebay-Kauf ihres Freundes debattiert: „Du willst dieses Ding nicht im Ernst hier stehen lassen?“ – „Dieses Ding, Daniela, ist das originale Batmobil aus den 70er Jahren, ein echtes Kultobjekt.“

blam__blam__und_du_bist_tot_-9783893201143_xxlBesonders nett ist die Begründung des wahnvergessenen Comicfans: „Betrachte es als Investition, Daniela.“ Mit solchen Argumenten haben wir als Kleinkinder Mama und Papa zum Kauf halber Ü-Ei-Paletten überredet. Gasser baut Brücken zwischen den Comicbildern und seiner ganz persönlich nachzeichnenden Comicsprache. Bilder gibt es bei ihm nur auf dem Cover. Die Storys sind schnell, sprunghaft, lautmalerisch, ironisch, abwechslungsreich und manchmal verwirrend wie ein hastig verschlungenes Manga-Abenteuer. Das gehört dazu. Nur weil das alles verwirrt kann die Comicwelt ein funkelndes Geheimnis bleiben. Wegen des labyrinthischen Aufbaus blättert man zurück, liest noch einmal, recherchiert. Es muss doch Gründe geben, warum die klügsten Köpfe unserer Zeit von Comics begeistert sind. Ein Art Spiegelman hat mit „Maus“ die maßgebliche Holocaustparabel kreiert. Wenn ein neuer Comicband zu Marcel Prousts Epos „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ erscheint, steht das Feuilleton Kopf. Erika Fuchs‘ Walt-Disney-Übersetzungen sind längst als kongeniale Nachdichtungen geadelt. Die Welt ist wahnsinnig wegen dieser bunten Kästchen und weißen  Sprechblasen. Christian Gasser hat den Wahnsinn nachgezeichnet, nacherzählt. „Blam! Blam! Und du bist tot“ ist sein Manifest.

Christian Gasser, „Blam! Blam! Und du bist tot! Super- und andere Antihelden“, Edition Tiamat, 240 Seiten,

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