Vinaigrette macht an

Edle Aufmachung, selbstgestaltetes „GU – Das Original-Qualitätssiegel“, ein verheißungsvoller Subtext: „Rezepte zum Glänzen und Genießen“, dazu der aussagekräftige Titel: „VEGETARISCH – Das Goldene von GU“. Dennoch hat das Essen extrem fad geschmeckt.

Dabei gilt das „Süsskartoffel-Paprika-Curry“ laut Hinweis als „großartige Komposition aus scharf und fruchtig“ (hier auf dieser Seite von GU nachlesbar). Das Kochbuch kann nichts dafür, wenn man zu viel Limettensaft mit zu wenig braunem Rohrzucker kombiniert. Aber daran allein lag es nicht, dass dieses asiatische Gericht misslang. Dem leicht beschriebenen, einfach nachzukochendem Rezept fehlten Röstaromen, weil die Frühlingszwiebelteile lediglich eine Minute lang „pfannengerührt“ werden sollen, weil man das Salz besser gegen eine kräftige Sojasauce eingetauscht hätte, und weil der Griff zur falschen Thai-Currypaste (hier war es die sehr teure von Wan-Kwai) in Kombination mit einer unausgewogen scharfen Chilischote alles ruinieren kann.

Tag_3_CurryImmerhin ist dieses Essen vegan, was aber in einem modernen Kochbuch prägnant dargestellt werden sollte. Die 514 Seiten dicke, 1708 Gramm schwere und reich bebilderte Rezeptsammlung ist auf der ersten Ebene unterteilt in „Salate und Kalte Vorspeisen“, „Tofu und Tempeh“ et cetera, außerdem mit einem Register „nach Hauptzutaten“ versehen. Es gibt aber auch einen absolut überflüssigen „Rezept-Quickfinder“, der die Gerichte auf 42 Seiten neu sortiert (von „Schnelle Küche“ bis „Für Kinder“) und einerseits an die Lesewege des Systemtheorie-Klassikers „GLU“ erinnert, andererseits als unbeholfener Internet-Kopierversuch durchgeht. Eben da hat man mehr von Meta-Rezeptdatenbanken, die Food-Blogs und digitale Speisezettel en masse durchsuchen.

Vorteilhaft, wenngleich sehr kurz, sind die „Küchenpraxis“-Seiten zu Beginn einer jeden Rubrik, die beispielsweise zeigen, wie Eier pochiert oder Reissorten unterschieden werden können. Für Heiterkeit sorgen Zwischenüberschriften wie „Pilze – aromatische Aufsteiger in der Gemüseküche“ oder auch „Scharfmacher und spannende Gewürze aus aller Welt“, womit der vielzahligen Kombinationsmöglichkeit mit dem Worte „spannend“ eine weite hinzugefügt wird. Praktisch sind derartige Zwischenüberschriften vor allem deshalb, weil man sie beliebig kombinieren kann: „Pilze – spannende Aufsteiger in der Gemüseküche“, „Scharfmacher und aromatische Gewürze aus aller Welt“, die im „Goldenen von GU“ grandios getoppt werden von dieser Wortspielhitparade:

Tag_3_Buch„Alles Käse“ (S. 122), „Klar wie Brühe“ (S. 187), „Das Salz in der Suppe“ (S. 189), „Vollkorn – jetzt auch mit Biss“ (S. 319), „Tutti frutti“ (S. 445), „Vinaigrette macht an“ (Seite 47),  und, außer Konkurrenz: „Die Stars in der Veggie-Küche“ (S. 245, gemeint sind Hülsenfrüchte) im Gegensatz zum „Superstar der Veggie-Küche“ (S. 391, gemeint ist Tofu).

Ansonsten ist dieses im Netz überwiegend positiv, nur stellenweise negativ aufgenommene Werk zumindest auf der Produktionsebene (Layout, Fadenheftung, Papierauswahl) ordentlich gemacht. Allerdings hat man immer wieder den Eindruck, das spätere Gericht könne nur fad daherkommen.

Highlights sind bestimmt das „Minze-Joghurt-Dressing“, für das es „2 möglichst frische Knoblauchzehen“ braucht, die nahezu identischen Gerichte „Salat aus Grillgemüse“ (S. 71) und „Buntes Antipastigemüse“ (S. 106). außerdem: Schicht-Panzanella (S. 114), die Sellerieschnitzel im Käsemantel (S. 273) oder das „Espresso-Schoko-Soufflé“ (S. 474). Die asiatische Abteilung scheint dagegen ein wenig schwach auf der Brust zu sein. Als Worthülsenarchiv ist „Vegetarisch – Das Goldene von GU“ dagegen unschlagbar, oder wie heisst es auf Seite 187, ein „Basisfond für alle Fälle“.

„Vegetarisch – Das Goldene von GU“, Gräfe & Unze, 512 Seiten, 20 Euro

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