Bates Motel ist zurück

Was kommt, was geht, was bleibt, was zählt? Das W.I.R.E. (Web For Interdisciplinary Research & Expertise) gehört zu den klügsten Einrichtungen der deutschsprachigen Universitätslandschaft. In Zusammenarbeit mit Leuten wie PeterLicht, Richard Sennett und Marc Dusseiler hat sich das W.I.R.E.-Team auf die Suche nach einem möglichen Leben von Morgen gemacht. Hier gibt es eine Liste der fünf skurrilsten Entdeckungen.

EINS – Disney vernetzt Pflanzen. Im „Botanicus Interacticus„-Projekt kann man eine an den Rechner angeschlossene Zimmerpflanze streicheln. Und mit dieser Liebkosung werden Programme gesteuert: „Bei Berührung des Grünzeugs wird nicht nur das Anfassen an sich registriert, sondern auch die Anzahl, die Stärke oder die Streuung der Kontakte.“ Auf diese Weise kann man mit seiner Orchidee Musik machen – die „Weidenflöte“ bekommt eine zusätzliche Bedeutung und das Theremin hat ausgedient.

ZWEI – Bates Motel ist Wirklichkeit. Zumindest im japanischen Yokohama, wo man seine Verstorbenen bis zur Einäscherung ins „Lastel“ einmieten kann. Im überbevölkerten Japan gibt es weiland Warteplätze für Krematorien. Was also tun mit der erstarrten Großmama? „Die gekühlten Särge können wir 12000 Yen pro Tag (rund 160 US-Dollar) gemietet werden. Gegenwärtig beherbergt Lastel 18 ‚Gäste‘.“

DREI – Mithilfe eines Anti-Schnarch-Polarbären (siehe unten) ist bald Ruhe im Bett. Das Tier misst mithilfe von Handsensoren den Sauerstoffgehalt im Blut, zeichnet außerdem mit einem Mikrofon alle Schlafgeräusche auf und streichelt den Schnarchen sanft an der Wange, wenn er zu laut sägt – bis er seine Position wechselt und verstummt.

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VIER – Es soll der große Trend kommender Jahres werden: Haare. Nicht in Form von Hair-Metal. Rasierte Geschlechtsteile werden vermutlich ebenfalls en vogue bleiben. Aber Forschern der Tokyo University of Science ist es gelungen, haarlose Mäuse durch Stammzellenversuche den Pelz zurückzugeben. Bislang ist dieses Verfahren nicht für größere Flächen geeignet – es bleibt also beim Fiffi auf dem Kopf, oder der Methode Klopp.

FÜNF – Das Internet für Roboter: Mit der Datenbank RoboEarth können sich Maschinen miteinander vernetzen. „Ersten Robotern gelang es bereits, sich mit der Hilfe von ebenfalls an RoboEarth angeschlossenen Artgenossen durch einen Hindernisparcours zu winden – ohne speziell dafür programmiert worden zu sein.“

BONUSTRACK – „Fehler machen klug„: In einer Studie wurde ermittelt, dass Lernende langfristig mehr speichern, wenn in ihren Texten widersprüchliche Aussagen stehen. Diese Art, Menschen zum Nachdenken zu bringen, nutzte Niklas Luhmann zeitlebens bei der Erarbeitung seiner Systemtheorie. In jedem seiner Bücher steht ein Gedanke, der schlichtweg falsch und mit der Theorie nicht vereinbar ist. Die Frage bleibt, ob die eher geringe Anzahl jener, die Luhmann verstanden haben, ein Gegenbeweis für die Ergebnisse obiger Studie ist.

Hg.: Simone Achermann, Stephan Sigrist, Michèle Wannaz, Burkhard Varnholt, Gerd Folkers: „Was zählt – 2014: Fakten, Trends und Visionen aus Wissenschaft, Politik und Kultur“, suhrkamp/W.I.R.E., 242 Seiten, 8,- Euro

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